Singen - Was das Hegau-Gymnasium mit vielen Schulen im Land eint, ist das Murren der Eltern, wenn sie auf die ausgefallenen Stunden ihrer Kinder schauen. Bernd Klein richtet seine Kritik an die Schulabteilung im Regierungspräsidium. Er wirft der Behörde vor, dass sie Schulen mit den Problemen alleine lässt. "Es gärt bei den Eltern, irgendwann kocht der Unmut richtig hoch", sagt der Vorsitzende des Elternbeirats. Zum Teil hätten die Kinder am Hegau-Gymnasium in Hauptfächern wie Französisch gerade ein Drittel "richtig Unterricht" gehabt.
Die Fehlzeiten sind durch längere krankheitsbedingte Ausfälle von Fachlehrern entstanden. Klein nimmt das Kollegium und die Schulleitung des Hegau-Gymnasiums in Schutz. Sie hätten mit Phantasie und Engagement versucht, die Ausfälle auszugleichen. Beste Erfahrungen habe das Gymnasium mit einer Realschullehrerin in Mathematik gemacht, die einen Zeitvertrag am Hegau bekommen hätte. Klein lobt: "Die Realschullehrerin hat einen hervorragenden Unterricht gemacht, ich verstehe nicht, warum man den Vertrag nicht einfach verlängert."
Die Schulabteilung im Regierungspräsidium hat ein anderes Problembewusstsein. Das Hegau-Gymnasium bekommt im nächsten Schuljahr drei neue Mathematiklehrer, auch dürften Realschullehrer am Gymnasium nicht fest angestellt werden. Pressesprecherin Ulrike Freitmeier bittet um Verständnis: "Wir können keine Reserve für jede einzelne Schule vorhalten."
Hegau-Schulleiter Andreas Uhlig kann die Eltern verstehen. "Wir hatten das Problem, das acht Lehrer gleichzeitig krank geworden sind. Das war eine Notstandssituation." Für das neue Schuljahr sei das Hegau-Gymnasium versorgt: "Wir haben noch eine Lücke in Spanisch." Auch für dieses Fach zeichne sich eine Lösung ab.
Horst Scheu meldet für das Friedrich-Wöhler-Gymnasium: "Wir kommen mit unseren Lehrern zahlenmäßig hin, aber leider nicht fachlich." Ein Lateinlehrer für eine halbe Stelle fehle. Der Schulleiter würde die Ausstattung mit Vertretungslehrern begrüßen: "Das wäre schön, ist aber einfach nicht Realität." Scheu weiß: "Der Mangel ist vorprogrammiert, wenn Kollegen längerfristig erkranken."
Das ist die grundsätzliche Kritik von Elternbeirat Bernd Klein, trotz der sommerlichen Mathematiklehrerentsendung ans Hegau-Gymnasium: "Das Prinzip bleibt bestehen: Es darf kein Lehrer krank werden, sonst fällt wieder massiv Unterricht aus."
Friedrich-Wöhler-Gymnasium: Für das Schuljahr 2007/2008 rechnet Schulleiter Horst Scheu mit 1250 Schülern, die von rund 100 Lehrern unterrichtet werden.
Hegau-Gymnasium:
Das Hegau-Gymnasium plant mit 1200 Schülern nach den Sommerferien.
Für
den Unterricht werden 90 Lehrer eingesetzt. Die vakante Stelle eines
Stellvertreters für Schulleiter Andreas Uhlig ist noch nicht
besetzt.
__________________________________________________________________
Bild: Susanne Gehrmann-Röhm
Lesen Sie dazu auch den Schriftverkehr mit Frau Dieterle vom
Regierungspräsidium: Falsche
Einstellung bei der Lehrereinstellung
Südkurier, 17.07.2007 02:01