Die Fragen
an Dr. Sommer bleiben gleich
Themenabend zur
Pubertät stößt im Hegau-Gymnasium auf große
Resonanz - Das "erste Mal" durchschnittlich mit 17 Jahren
VON SUSANNE GEHRMANN-RÖHM
Singen (sgr) Auf großes Interesse stieß eine Veranstaltung der Freunde des Hegau-Gymnasiums zum Thema „Pubertät“. Rund 120 Eltern erfuhren am Dienstag von Kerstin Prinz und Mathias Graf, Fachleute der Singener Pro-Familia-Beratungsstelle, alles Wissenswerte über diese Zeit der Veränderung bei Jugendlichen zwischen elf und 17 Jahren.
Vom lateinischen Wort „pubertas“ für Geschlechtsreife stammt der Fachausdruck für diesen Zeitraum des Erwachsenwerdens, der schon ab dem zehnten Lebensjahr beginnen kann. Erstaunlicherweise interessieren sich Jugendliche von heute aber immer noch für die gleichen Fragen wie vor 35 Jahren. Kerstin Prinz und Mathias Graf hatten dazu Fragen des Bravo-Doktors Sommer ausgegraben, der 1969 mit seiner Beratung in der Jugendzeitschrift begann. Was die Jugendlichen heute interessiert, sei gar nicht so anders wie damals, so Mathias Graf. Woher er das weiß: Seit einiger Zeit gibt die Pro Familia über die Internet-Seite www.sextra.de per Email Auskunft zu allen Fragen rund um Sexualität und Pubertät. Zwischen 300 und 350 Fragen erreichen so die 30 bis 40 Pro Familia Berater bundesweit pro Woche. Derzeit probiere man auch einen Testlauf in der Beratung per SMS.
Es sind die Fragen, die schon die Elterngeneration in den 70ger Jahren beschäftigte, wie an der Gegenüberstellung deutlich wird. Schon bei Dr. Sommer waren Jungen über ihre Penislänge oder die Mädchen über ihre Busengröße besorgt. Auch Fragen, ob man vom Onanieren impotent werde, werden immer noch gestellt. Aber auch medizinische Details und die praktische Anwendung und Sicherheit von Verhütungsmitteln wollen die Jugendlichen wissen. Wirklich nur ganz selten kommen mal Fragen, ob man vom Küssen schwanger wird und ob der „Coitus interruptus“ als Verhütungsmethode ausreicht. „Danach musste ich wirklich suchen,“ sagt Graf, der bei der Internet-Beratung dabei ist.
„Im Verhütungsverhalten sind Jugendliche heute so konsequent wie nie,“ sagte Mathias Graf. Nach Untersuchungen aus dem Jahre 2001 benutzen 84 Prozent der Mädchen und 79 Prozent der Jungen beim ersten Mal ein Verhütungsmittel. Das ist in etwa einem Drittel der Fälle das Kondom. Das Elternhaus und wie offen daheim über das Thema Sexualität geredet wird, spiele hier eine große Rolle. Aber auch, wie vertraut der Partner ist. Gar nicht so früh wie von den Zuhörern geschätzt, haben die Jugendlichen heute ihr „erstes Mal“. Im Durchschnitt ist das erst mit 17 Jahren. Wichtig sei auch die sogenannte „Peer-Gruppe“, also die der Gleichaltrigen, die Ratgeber, Informanten, Tröster wie auch Spötter sein kann bei den ersten Erfahrungen mit Liebe und Sexualität. Dennoch werden die Eltern immer noch an erster Stelle als Vertrauensperson genannt. Mit der Einschränkung, dass diese akzeptieren müssen, dass die Jugendlichen in diesem Alter nicht mehr über alles mit ihnen sprechen wollen.
Bildtext:
Freunde spielen in der Pubertät eine große Rolle für Jugendliche. Diese Mädchen aus der Klasse 5a der Singener Beethovenschule bezeichnen sich als „Best friends“. Archiv: sgr
Info-Kasten
Internet-Beratung von Pro Familia auf der Seite www.sextra.de
Infos über sexualpädagogischen Angebote und Broschüren zum Thema bei:
Pro Familia Beratungsstelle Singen
Feuerwehrstraße 1
78224 Singen
Telefon 07731/61120
Fax 07731/12585
Email: singen@profamilia.de
Ein zweiter Themenabend über die psychosozialen Entwicklungsebenen in der Pubertät mit der Ehe- und Familienberaterin Monika Baumgart findet am Donnerstag, 29. April um 20 Uhr in der Aula des Hegau-Gymnasiums statt. (sgr)