right_float Südkurier, 21.11.2005

Es knistert auf der Bühne

Die Theatergruppe des Hegau-Gymnasiums spielt "Geschichten aus dem Wienerwald"

Daniel Nestlen

Eine Welt voller Gleichgültigkeit, Scheinheiligkeit und untergründiger Bösartigkeit - das ist die Welt der "Geschichten aus dem Wiener Wald". Die Theatergruppe am Hegau-Gymnasium Singen unter Leitung von Pia Lux hat das Stück des österreichischen Schriftstellers Ödön von Horváth auf die Bühne gebracht und dabei an Überzeugungskraft nichts zu wünschen übrig gelassen. Marianne soll Oskar, den Metzgermeister, heiraten. Der ist aber geradezu krankhaft verliebt und sadistisch veranlagt. Auf der Verlobungsfeier lernt Marianne Alfred kennen. Beide kommen sich näher, werden entdeckt und der Skandal ist perfekt. Der Vater und Oskar verstoßen Marianne. Wohl mehr aus der wirtschaftlichen Notwendigkeit heraus werden Alfred und Marianne ein Paar. Glücklich sind sie deswegen nicht. Es wird ihnen auch nicht einfach gemacht, nicht von Alfreds verbitterter Großmutter, noch von Mariannes Vater und Ex-Verlobten Oskar. Schon gar nicht helfen ihnen die vermeintlichen gesellschaftlichen Zwänge. Gerade die scheint in dieser Gesellschaft aber jeder für sich selbst auszulegen, und so weiß denn auch im Grunde keiner wirklich etwas mit sich selbst und seinem Leben anzufangen. Immer sind die anderen schuld. right_float Die Schülerinnen und Schüler der Theatergruppe verstehen es aufs Beste, eine dichte, düstere und latent gereizte Atmosphäre entstehen zu lassen. Da knistert es zwischen Alfred und Marianne, der Sadismus steht Oskar bei jedem Wort ins Gesicht geschrieben. Der Großmutter gar möchte man nicht auf dem Nachhauseweg begegnen, derart bigott und bösartig kommt sie daher. Jedes Wort und jede Mimik stimmt. Jeder ist mit Leib und Seele bei der Sache. So vergehen zweieinhalb Stunden Spielzeit wie im Flug und man fürchtet am Ende nur. Diese Geschichte ist vielleicht doch gar nicht so weit weg von uns.