Singen - Im Juni 1969 hat Volker Kauder in
Singen am Hegau-Gymnasium
das Abitur gemacht, sein Lieblingsfach war Chemie. Damit liegt der
56-jährige Abgeordnete des Wahlkreises Rottweil/Tuttlingen nicht
unbedingt im Trend. Beim Besuch im Chemiesaal wollte keiner der
Schüler
sich zum Lieblingsfach Chemie bekennen.
Doch Volker Kauder dürfte selbst nicht unbedingt der Lieblingsschüler aller Lehrer zu seiner Schulzeit am Hegau-Gymnasium gewesen sein. Direktor Josef Götz (1955 bis 1969) hatte den Schüler Volker Kauder hin und wieder auf dem Kieker. Er sei halt ein bisschen aufmüpfig gewesen, räumt der Politiker ein. Das habe ihm die eine oder andere Stunde Arrest und eine schlechtere Note im Betragen eingetragen. "Ich hatte immer ein gutes Zeugnis, aber in der so genannten Kopfnote bekam ich einmal nur ein ,Noch Befriedigend' wegen Überschreitung der zulässigen Klassenbucheintragungen."
Diese Note und die gehäuften Klassenbucheinträge in den sechziger Jahren hatten gestern keine Auswirkungen auf den Empfang des CDU-Bundestagsfraktionsvorsitzenden. Die Lateiner der elften Klasse empfingen Volker Kauder in Toga und mit einer szenischen Auslegung eines Gedichts des lateinischen Dichters Gaius Valerius Catull. Es sei die letzte Klasse am Hegau-Gymnasium, die mit Latein als erster Fremdsprache angefangen habe, erläuterte Lehrerin Kerstin Schuldt. Jetzt gebe es wieder einen erhöhten Zuspruch für Latein als zweite und dritte Fremdsprache. "Die Bedeutung von Latein nimmt wieder zu", sagte Kerstin Schuldt. So würde allein die Latein-Note mit einem Faktor von 25 Prozent für die Zulassung zum Jura-Studium an der Universität Freiburg gewertet.
Ein Heimspiel hatte Volker Kauder beim Empfang in der Aula des Hegau-Gymnasiums durch das Schulorchester unter der Leitung von Gabriele Haunz. Die Politiker Kauder, der Bundestagsabgeordnete Andreas Jung und Singens OB Oliver Ehret sowie Lehrer Michael Vollmer schmetterten textsicher das Badnerlied mit. Zurück hielten sich beim Vortrag von Chor und Orchester Schulleiter Andreas Uhlig und Marianne Gutthof vom Elternbeirat. Die Schülerinnen Tabea Sawatzki und Birte Buchwalder beeindruckten den Mannschaftsführer der CDU im Bundestag mit ihrem Solovortrag aus Mozarts Zauberflöte. Spontan lud Kauder das Orchester des Hegau-Gymnasiums zu einem Besuch und Auftritt nach Berlin ein. "Das würde uns sehr freuen, wenn das klappt", nahm Gabriele Haunz den Fraktionschef beim Wort.
Schwieriger wurde es für Volker Kauder in der Diskussion mit Schülern aus der Oberstufe. Er machte Schüler und Lehrern keine Hoffnung auf eine Vereinheitlichung des deutschen Bildungssystems: "Ich bin immer für Wettbewerb statt Einheitsbrei." Zum Hegau-Gymnasium gab Kauder eine konkrete Stellungnahme ab: "Dieses Haus darf nicht abgerissen werden." Soll es auch nicht, sondern ausgebaut. "Nach Möglichkeit mit den Zuschüssen für einen Ganztagesbetrieb eines vierzügigen Gymnasiums", warb OB Oliver Ehret.