suedkurier.de - 17.02.2006

Freiheit für die Schulen

Ute Vogt am Hegau-Gymnasium

Schulleiter Dr. Andreas Uhlig gelang es, einige Spitzenpolitiker zu einem Besuch des Hegau-Gymnasiums zu bewegen. Eine der wesentlichen Intentionen besteht darin, für Schülerinnen und Schüler das Abstraktum "Politik" und "Politiker/innen"  konkret und interessant zu machen. Den Auftakt der prominenten Besucherinnen und Besucher  machte am 16. Februar 2006 die SPD-Spitzenkandidatin in Baden-Württemberg und stellv. Vorsitzende der SPD Ute Vogt.  Sie wirkte sehr offen und ehrlich, und man spürte, dass dies keine politische Pflichtübung war. Man kann nun sehr gespannt sein auf die Besuche von Kultusminister Rau und auf Volker Kauder den Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

Der Südurier berichtete in seiner Singener Ausgabe am 17. Februar über diesen Besuch:

SPD-Spitzenkandidatin Ute Vogt besucht das Hegau-Gymnasium


Die SPD-Spitzenkandidatin Ute Vogt hat sich in Singen am Hegau-Gymnasium vor Ort ein Bild von Bildung gemacht. Für Lehrer, Schüler und Eltern eine Möglichkeit, ihre Sorgen gerade im Bezug auf die Ganztagesschule der Politikerin mitzugeben.

VON JACQUELINE WEISS




Singen - Zum Auftakt spielte das Orchester des Hegau-Gymnasiums, danach besuchte die Delegation bestehend aus Ute Vogt, SPD-Landtagskandidatin Claudia Weber, SPD-Stadtrat Dietmar Johann, Oberbürgermeister Oliver Ehret und Schulleiter Andreas Uhlig und die Lehrer Michael Vollmer und Kerstin Schuldt den Lateinunterricht der Klasse 6d in beengten Verhältnissen. OB Oliver Ehret machte deutlich, dass es das Bestreben von Stadt und Schule ist, das Hegau-Gymnasium auf fünf Züge auszubauen.

Im Lehrerzimmer machte Ute Vogt ihre bildungspolitischen Standpunkte deutlich. Der Unterricht solle so gestaltet sein, dass er an den Schülern ansetzt. Dazu müssen weniger Schüler in den Klassen sein, die Zahl der Lehrer soll bleiben. Die Schule soll ihrer Meinung nach mehr Verantwortung bei der Gestaltung des Schulalltags und der Einstellung von Lehrkräften bekommen.

In der Diskussion mit Schülern der Stufe 13 wurde die Frage nach dem achtjährigen Gymnasium gestellt. Ute Vogt findet des falsch, dass das G8 auf einen Schlag an allen Schulen eingeführt wurde, ohne sich vorher über Inhalte zu unterhalten. "Ich habe nichts gegen eine Verkürzung der Schulzeit, wenn der Lernstoff angepasst wird", sagte die SPD-Spitzenkandidatin. Die Ganztagesschule mache für sie nur Sinn, wenn die Schüler nach der Schule mit allen Schulaufgaben fertig seien und Zeit für Familie und Freizeit bliebe. "Wenn ein Schüler Nachhilfe braucht, ist das für mich ein Versagen der Schule", sagte Vogt. Die Schüler sprachen auch das Thema Eliteunis an. Ute Vogt findet eine Begabtenförderung und den Wettbewerb unter den Unis gut. Es solle aber nicht so sein, dass ein "normaler Studienabschluss" nichts mehr wert sei. Ein Schüler befürchtete, dass bei einer Zusammenlegung der Haupt- und Realschulen das Niveau sinken würde. Die Politikerin ist der Meinung, dass es unterschiedliche Begabungen und Lernformen gibt und dass ein Hauptschüler nicht oft weniger intelligent als ein Realschüler sei. In einer kleinen Abschlussrunde sprach Jochen Nagel vom Personalrat der Schule die Nachmittagsbetreuung an und wie diese personell bewerkstelligt werden sollte. Eine Betreuung durch Ehrenamtliche aus Vereinen könne eine professionelle Betreuung durch Lehrer nur ergänzen, sagte Vogt. In einem Abbau der Kultusbürokratie sieht sie Potential für neue Lehrerstellen. Schulleiter Andreas Uhlig will die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft verstärken, fühlt sich bei den angesprochenen Unternehmen oft als Bittsteller. Da könne die Politik unterstützen. Eltern am Hegau-Gymnasium versuchen den Bezug zur Praxis herzustellen, so bietet beispielsweise Elternbeiratsvorsitzender Bernd Klein einen Kurs im Betriebssystem Linux an. Marianne Guthoff, stellvertretende Elternbeiratsvorsitzende, findet es wichtig, dass in der Schule soziale Kompetenzen gefördert werden und Schulsozialarbeiter auch für Gymnasien zur Verfügung stehen. Ein aktuelles Beispiel habe gezeigt, dass Sozialarbeiter bei Konflikten helfen können und die gebe es auch am Gymnasium.