Südkurier, 18.02.2006

Achtjähriges Gymnasium fordert Umdenken

Hegau-Gymnasium im guten Dialog mit Eltern


VON SUSANNE GEHRMANN-RÖHM

Susanne Roth-Schuler (links) berichtete als Mutter einer Sechstklässlerin über ihre Erfahrungen mit dem G8 am Hegau-Gymnasium. Bild: sgr
Singen (sgr) Über ihre Erfahrungen mit dem achtjährigen Gymnasium (G8) berichteten im Rahmen eines Themenabends des Fördervereins Schulleiter und Lehrer sowie eine Vertreterin aus der Elternschaft des Hegau-Gymnasiums. Von den Erfahrungen aus dem ersten Jahrgang profitieren inzwischen die heutigen Fünftklässler. Rund 200 Interessierte, darunter viele Eltern von Viertklässlern, nutzten den Abend für die Information.

Mit diesem Andrang hatten die Veranstalter nicht gerechnet. Der Musiksaal in der Schule quoll aus allen Nähten. Einige Zuhörer mussten vom Gang aus zuhören, was Schulleiter Andreas Uhlig, die Lehrer Kerstin Schuldt und Michael Vollmer sowie Susanne Roth-Schuler, Mutter einer Sechstklässlerin berichteten. "G8 bedeutet nicht, dass nun ein Schuljahr wegfällt", sagte Michael Vollmer. Auch könne keinesfalls von "Turbo-Abi" die Rede sein, sagte Andreas Uhlig. "Je mehr Erfahrungen wir machen, desto besser schleift sich das neue System ein", ist der Schulleiter überzeugt. In der jetzigen fünften Jahrgangsstufe habe man als erste Prämisse den Stundenplan der Schüler, die mit Englisch anfangen, so ausgeklügelt, dass sie im ersten Jahr auf dem Gymnasium noch keinen Nachmittagsunterricht haben. Die Schüler, die mit Französisch bilingual beginnen, hätten einmal nachmittags Unterricht, so Michael Vollmer auf die Frage eines Zuhörers. Heute müssen den Schülern Kompetenzen vermittelt werden, wie sie den Stoff erarbeiten können. Das erfordere sowohl von Lehrern wie auch von Eltern ein Umdenken und stetiges Lernen, so Andreas Uhlig.

Im Fluss ist auch der pädagogische Bereich mit den so genannten Poolstunden. In der fünften Stufe habe man hierfür die Klassenlehrerstunde eingeführt, in der sechsten Stufe stehe der fächerübergreifende Unterricht im Vordergrund. Eine Hausaufgabenbetreuung habe der Förderverein mit Hilfe von Eltern, ehemaligen Lehrern und Elftklässlern für die fünfte bis achte Jahrgangsstufe eingerichtet, so Vollmer. Die verschiedenen Bereiche, die für den Besuch eines Gymnasiums wichtig sind, sprach Kerstin Schuldt an. Neben der Motivation des Kindes, auf das Gymnasium zu wollen, seien Konzentrationsfähigkeit, Selbstvertrauen, Kontakt- und Kooperationsfähigkeit, Ordnungssinn sowie Feinmotorik für das Schreiben und Lesefähigkeit und Kopfrechnen wichtige Voraussetzungen.

Dass sich nach dem Übergang von der Grundschule auf das Gymnasium für das Familienleben etwas ändert, berichtete Susanne Roth-Schuler. Ihre Tochter Sarah, die sich für Französisch Bilingual entschieden hat, habe aber zunächst auch ihre Hobbies weitergemacht und später nur ganz wenig beim Sport reduziert. "Vieles findet nun später statt, wie beispielsweise die Musikschule", so Roth-Schuler. Sie habe ihrer Tochter schon während der Grundschulzeit vermittelt, dass es wichtig ist, sich die Zeit richtig einzuteilen. "Es ist auch kein Drama, wenn sie mal ´ne Vier in einer Arbeit hat." Schön wäre es natürlich gewesen, wenn die Infrastruktur an der Schule, wie Mensa, schon vorhanden gewesen wäre.

Auch wenn es mit einem Gymnasium in Engen Probleme für Singen geben könnte, werde die Stadt den dringend nötigen Anbau machen, sagte Uhlig in Anwesenheit von Oberbürgermeister Oliver Ehret. Der Umbau der ehemaligen Hausmeisterwohnung zur Mensa mit Kioskbetrieb soll ab dem kommenden Schuljahr fertig sein. Ein Neubau neben dem Sportplatz werde zusätzliche Fachräume und größere Klassenzimmer sowie Aufenthaltsräume haben. Dann werde auch die Freiarbeit wieder Spaß machen. "Bei 33 Schülern in einem 40-Quadratmeter-Zimmer geht das gar nicht", so Uhlig.


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Susanne Roth-Schuler (links) berichtete als Mutter einer Sechstklässlerin über ihre Erfahrungen mit dem G8 am Hegau-Gymnasium. Bild: sgr