suedkurier.de - 27.06.2005

Junger Bach im Hegau

Über 100 Schüler beteiligen sich am Sommerkonzert

Singen

Sie sorgten mit ihren Soli für Stimmung: Tabea (links) und Sophia Sawatzky. Im Hintergrund dirigiert Gabriele Haunz.
Bild: Sabine Tesche

Allen Bildungsdiskussionen zum Trotz zeigen junge Menschen immer wieder, welche Kompetenzen sie haben, zu welchen Leistungen sie fähig sind. Ein wichtiger Beitrag sind dabei Fähigkeiten, die über den "normalen" Unterricht hinausgehen; ein besonderes Feld ist dabei das musikalische. Was Gabriele Haunz, Matthias Wodsak, Pia Lux und Ursula Hofelich mit über 100 Schülerinnen und Schülern des Hegau-Gymnaiums auf die Bühne der Aula zauberten war beeindruckend, unterhaltsam und anspruchsvoll.

Schon die ersten Takte von Edward Elgars "Pomp and Circumstances" zeigten wie sicher Gabriele Haunz das Orchester im Griff hat. Die jungen Musikerinnen und Musiker setzten ihre klare Vorgaben konzentriert und engagiert um. Der sanfte, weiche und präzise Klang bot eine anregende Einstimmung. Jessica Bühler wagte sich als Solistin an Bachs Violinkonzert in a-moll. Ihr Mut und ihr Enthusiasmus wurden belohnt: Bach hat auch jungen Menschen noch etwas zu sagen, vor allem wenn ein Orchester so klar die immanente Ordnung beachtet.

Der Oberstufenchor unter der Leitung von Matthias Wodsak setzte moderne und poppige Schwerpunkte. Die jungen Damen und die drei - mutigen - jungen Herren sangen mit wachsender Begeisterung und zeigten - besonders mit dem "Medley aus Sister Act" rhythmisches Geschick und musikalischen Spürsinn. Ein besonderer Höhepunkt waren die Melodien aus Frederick Loewes "My Fair Lady", die Gabriele Haunz arrangiert hat. Tabea und Sophia Sawatzky sorgten mit ihren Gesangssoli für eine phantastische Stimmung und eine farbenreiche Interpretation. Denise Hornung steigerte durch ihre blendende Tanzeinlage die Sensibilität. Den szenischen Glanzpunkt setzte die Theater AG, welche mit den Hutkreationen der Klasse 6d die vornehme Gesellschaft in Ascott zu einem Augenschmaus werden ließ.

Der zweite Teil des Abends wurde dann noch rockiger. Augen schließen und an alte Zeiten denken - so fühlte man sich bei den Arrangements von Beatles-Songs wie "Lady Madonna" oder "Michelle". Aber alles blieb in einem sanften und wohltuenden Serenaden-Charakter. In der Liverpool Suite von Paul McCartney und Carl Davis zeigte sich die tolle Symbiose und Einheit von Dirigentin und Orchester: klare Präzision, klare Ansprache, stimmiger Klang und strotzende Spielfreude. Dieser Eindruck wurde dann in Alan Menkens "Selections from Hercules" noch durch eine rhythmische Konzentration verstärkt.

Die Wiederholung von Elgars Marsch aus "Pomp and Circumstances" - dieses Mal mit Chorgesang - zeigte vieles auf: Bach bleibt jung; Musik und Kunst schaffen eine poetische Wirkung und eine ansteckende Begeisterung. Dies ist aber nur möglich, wenn offene und engagierte Schüler auf bereitwillige und begeisternde Lehrer treffen. Und dieses gemeinsame Musizieren strahlt dann hell und lange in den Schulalltag hinein.

Reinhard Brosig

 
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