Als Friedrich Schiller (1759 bis 1805) am 13. Januar 1782 die erfolgreiche Uraufführung seines Dramas "Die Räuber" in Mannheim feiern konnte, hat er sicher nicht im Traum daran gedacht, dass sich Schülergenerationen noch über zwei Jahrhunderte später mit seinem Stoff "herumschlagen" werden. Fast auf den Tag genau 226 Jahre nach der erfolgreichen Uraufführung zeigte die Theatergruppe des Hegau-Gymnasiums "Theatre Deluxe" das Drama in einer modernen, äußerst gelungenen Inszenierung.
Ein willkommener Grund für die Auswahl des Stückes mag die Tatsache gewesen sein, dass das Drama "Die Räuber" für den diesjährigen Abiturjahrgang und die nächsten Jahrgänge erstmals Sternchenthema ist. Regisseurin Pia Lux, die die Theatergruppe seit Jahren leitet, gelang mit der modernen Inszenierung des schwierigen Stoffes mit ihren jungen Darstellern ein Coup, den man mit dem Prädikat "Fünf-Sterne-Deluxe" ausstatten sollte, falls es so etwas für Theaterstücke gäbe.
In der Aula der Schule bot sich für die rund 170 Zuschauer der Premiere ein ungewohntes Bild. Nicht auf der eigentlichen Bühne spielte sich das Geschehen um die von Moor-Brüder, deren Vater, die Geliebte Amalia und die Räuberbande ab. Drei Bühnen, eine kleine am Rande als Turmverlies getarnt, waren im Raum verteilt, die Zuschauer an zwei Seiten um diese herum gruppiert. Während sich auf der einen großen Bühne die intrigenreiche Familientragödie zwischen den Söhnen, Vater Moor und Amalia abspielt, haust auf der anderen großen Bühne die Räuberbande, deren Anführer Karl von Moor wird, nachdem er sein Studium verspielt hat.
In den Böhmischen Wäldern, auf der anderen großen Bühne, führt die Bande dank Handys, schwarzem Sitzsack, Bierkisten und gelben Säcken zum Mülleinsammeln ein fast schon modernes Leben. Die einzige schillernd bunte Figur in diesem Räuber-Ensemble ist Schufterle, der als Fixer daherkommt. Wie die Gruppe den typischen Gruppenzwängen unterworfen ist, wird dabei sehr anschaulich demonstriert. Actionreich greift auch eine Stockkampfgruppe in das Geschehen ein. Am Ende steht der legendäre Satz: "Dem Mann kann geholfen werden." Davor hat Karl von Moor die Intrigen seines Bruders kennengelernt, der sich als Zweitgeborener immer von seinem Vater zurückgesetzt gefühlt hatte - ein Vater-Sohn-Konflikt, der nichts von seiner Aktualität verloren hat.
Regisseurin Pia Lux war nach der Premiere zufrieden mit ihren Schauspielern: "Regie ist das eine, aber ohne euch ginge es gar nicht", dankte sie den Schülern. Seit September hatte die Gruppe in Blöcken intensiv geprobt. "Wir wollten das Stück ins Zeitlose herübernehmen und die Räuber als Gruppe im Blick behalten", so Pia Lux.
Die Komprimierung des Stoffes von fünf auf eindreiviertel Stunden ist ebenso gelungen, ohne dass man inhaltlich den Überblick verliert. Ausgezahlt hat sich die Stimm- und Sprechausbildung der jungen Schauspieler, denn die Akteure waren auch ohne Mikrophone bestens zu verstehen. Für Pia Lux wird nun ein schwieriges Jahr kommen, denn über die Hälfte der Mitwirkenden macht in diesem Jahr Abitur. Für diese Abgänger war es aber sicher die Krönung ihrer Theaterarbeit in der Gruppe.
Susanne Gehrmann-Röhm
Südkurier, 18.01.08