Pygmalion von George Bernard Shaw

Aufführung der Theater AG "Theater delux(e)" des Hegau-Gymasiums

"Ach ja, Theater. sollte ich auch mal wieder hingehen", so oder ähnlich meldet sich bei vielen Menschen das schlechte Gewissen, oder genauer gesagt der kulturelle Teil davon. Andere denken sofort an die vielen Millionen Euro, die der Kulturbetrieb verschlingt. Immerhin 10,- bis 150,- Euro pro Besucher. Schaut man jedoch auf den Anteil im Staatshaushalt, dann sieht man, dass es nur 0,5% sind.[1]

Kann man überhaupt qualitativ hochwertiges Theater machen, welches ohne Subventionen auskommt? Die Besucher der Aufführungen von Pygmalion werden diese Frage mehr oder weniger einstimmig bejahen. Was Pia Lux mit der "Theater delux(e)" in der Kunsthalle Singen bot, war Theater auf hohem Niveau. Die Gruppe bot weit mehr, als man eigentlich von einer Schülertruppe erwarten kann. Pia Lux schafft es, -  ähnlich Professor Higgins im Stück, - aus begabten und begeisterten Schülern, Schauspieler zu machen, die überzeugen: Allen voran  Sarah Gschlecht und Marlene Fritsche in der Rolle der Eliza Doolittle, Carl Firle als Professor Higgins, Wolfgang Havener als Oberst Pickering und Manuel Beck in der Rolle des Alfred Doolittle. Das Hegau-Gymnasium kann nur hoffen, dass ihm Pia Lux noch lange als Lehrerin erhalten bleibt, und sie nicht von einem Theater abgeworben wird.

(Bernd Klein)


suedkurier.de - 24.11.2006

Eliza und der soziale Aufstieg

Hegau-Gymnasium bringt Shaw-Stück "Pygmalion" auf die Bühne

VON CHRISTEL ROSSNER

Es ist eine Wette zwischen Professor Henry Higgins und Oberst Pickering: "Wetten, dass dieses Blumenmädchen nach meiner Phonetikschulung als Herzogin durchgehen wird?" Mit dem Stück "Pygmalion" von George Bernhard Shaw bringt das "Theater delux(e)" des Hegau-Gymnasiums in teilweiser Doppelbesetzung die Geschichte des Gassenmädchens Eliza Doolittle auf die Bühne der Kunsthalle. Eher bekannt ist diese Komödie durch die Verfilmung "My fair Lady."

"Und ob ich ein anständiges Mädchen bin", beteuert Eliza Doolittle (Sarah Gschlecht/Marlene Fritsche), die der Unterschicht angehört und als junges Mädchen selbst ihren Lebensunterhalt durch Blumenverkauf in den Gassen bestreitet. Professor Higgins (Carl Firle) wiederum verdient sein Geld durch Sprachunterricht für die Neureichen, die, sobald sie den Mund auftun, ihre Herkunft verraten. Die gesellschaftliche Stellung eines Menschen sei eine Funktion seiner Sprache, glaubt er und will es beweisen, indem er einer Londoner Blumenverkäuferin Sprachunterricht erteilt und sie nach Abschluss der Dressur erfolgreich als Herzogin ausgibt. Oberst Pickering (Wolfgang Havener) ist eigens nach London gereist, um seinen berühmten Kollegen kennen zu lernen.

Pickering sorgt für neue Kleider und bezahlt den Unterricht, Eliza Doolittle lernt gepflegtes Sprechen und in Zusammenarbeit mit Professor Higgins Mutter auch noch Manieren. Zu keinem Zeitpunkt kommt Higgins der Gedanke, dass er es bei dieser Wette mit einem Menschen zu tun hat. Für ihn bleibt Eliza auch nach dem Erfolg das Blumenmädchen, deren gesellschaftliche Klasse in seinen Augen keinen Anspruch auf Menschenwürde erheben kann.

Eliza macht ihre Sache sehr gut, sie hat im Schnelldurchlauf den Prozess der Zivilisierung durchlebt. Higgins gewinnt die Wette. Auf den Gedanken, sie zu loben und sich bei ihr zu bedanken, kommt er nicht. Wütend und selbstbewusst wirft sie ihm deshalb zu Hause die Pantoffeln an den Kopf, er habe immer nur an seine Wette gedacht, aber sich nie um sie gekümmert. Welche Unannehmlichkeiten ihr daraus entstünden, sei ihm gleichgültig.

Die Theater AG des Hegau-Gymnasiums bringt keine rührselige Geschichte des Blumenmädchens Eliza Doolittle auf die Bühne. In der Inszenierung von Pia Lux geht es um Shaws Anliegen: Die Stellung der Frau zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts und um den sozialen Aufstieg und Anschluss an die Gesellschaft. Mehr als 20 Akteure begeisterten die zahlreichen Besucher der Premiere.