
Singen - "Sie bringen mich am frühen Morgen ja schon richtig in Fahrt", sagte Helmut Rau, Kultusminister von Baden-Württemberg als die Big-Band des Hegau-Gymnasiums zur Begrüßung spielte. Schulleiter Andreas Uhlig wollte dem Minister bei einem Rundgang zeigen, dass das Hegau zwar eine alteingesessene, aber keine verstaubte Schule ist. Demnächst gibt es eine Arbeitsgemeinschaft Chinesisch und ein Austausch wird organisiert. "Wir haben mit der Stadt Singen einen guten Sponsor", sagte Uhlig im Hinblick auf den geplanten Anbau. Rau konnte sich auch einen Eindruck verschaffen, wie eng es im Lehrerzimmer zugeht und dass bei der Ganztagesschule Arbeitsplätze für Lehrer gebraucht werden.
Rau stellte sich den kritischen Fragen der Schüler der Oberstufe und erklärte die Schwerpunkte der Bildungspolitik. Der Schwerpunkt liege nicht auf den Gymnasien, es gehe darum, Kinder aus bildungsfernen Schichten zu integrieren und möglichst früh mit der Förderung zu beginnen, so Rau. Außerdem sollen die Übergänge ins Berufsleben verbessert werden. Schüler sollen in Zukunft mitdiskutieren dürfen, wenn es um die Verbesserung der Schulen geht. Ein Team des Ministeriums wird die Schulen besuchen und bewerten. Owohl es in Zukunft weniger Schüler geben wird, soll die Zahl der Lehrer erhalten bleiben. Sie sollen im Ganztagesbereich und der Frühförderung eingesetzt werden. Am Klassenteiler werde sich nichts ändern. "Wenn ich den Klassenteiler um eins absenke, brauche ich 800 Lehrer mehr", sagte Rau.
In Engen wird es für die ersten Schüler des Gymnasiums drei Klassen geben, erklärte Rau. Das Gymnasium bleibt aber auf zwei Züge festgeschrieben und es wird auch keine baulichen Veränderungen geben. Die 72 Anmeldungen haben diesen Schritt nötig gemacht, sagte Udo Müller zuständiger Abteilungsleiter vom Regierungspräsidium. Die Frage war, ob man Schüler von Engen nach Stockach schicken kann. Stockach war aber auch schon voll. Das Regierungspräsidium will in Zukunft den Eltern Empfehlungen geben, welche Schule für welchen Einzugsbereich sinnvoll ist. Singen profitiere trotzdem von Engen, weil es ohne das neue Gymnasium in Singen noch größere Klassen gegeben hätte, sagte Landtagsabgeordnete Veronika Netzhammer. Dass es in Singen weiterhin Klassen mit um die 30 Schüler geben wird, stört sowohl die Vertreter der Stadt als auch die Eltern. Elternbeiratsvorsitzender Bernd Klein forderte, dass mehr für die großen Schulen getan wird und dass ihnen die räumlichen und personellen Möglichkeiten gegeben werden, eine große Klasse auch einmal zu teilen. Müller erklärte, dass das Regierungspräsidium die großen Schulen mit Refendaren bestückt, um ihnen etwas Spielraum zu geben.
Dazu gab es auch am gleichen Tag einen Kommentar, ebenfalls von Jacqueline Weiss:Engen darf sich freuen. Drei Eingangsklassen gibt es für das neue Gymnasium, weil sich in Engen 72 Schüler angemeldet haben. Stockach kann nicht mehr Schüler aufnehmen, deshalb kann dem Wunsch der Eltern, ihr Kind nach Engen auf das Gymnasium zu schicken, Rechnung getragen werden. Die Rechnung mit den kleinen Klassen geht in Engen ebenfalls auf. Man nimmt es dem Regierungspräsidium ab, dass alle Möglichkeiten geprüft wurden und es in Zukunft nur zwei Klassen in Engen geben soll.
Wenn die Schüler aus Engen nach Singen gekommen wären, hätte es noch größere Klassen in Singen gegeben. Für die Schüler, Lehrer und Eltern in Singen ist das ein schwacher Trost. "Was nützt es uns, wenn Engen drei Klassen bekommt, in Singen die Klassen aber nach wie vor groß sind. Mich interessiert Engen nicht, mich interessiert Singen", sagt der designierte Bürgermeister Bernd Häusler. Umso deutlicher wird, dass der Anbau am Hegau-Gymnasium nötig ist, um Schülern und Lehrern bessere Arbeitsbedingungen zu geben. Nicht nur die Qualität des Unterrichts bestimmt, ob und wieviel die Schüler lernen, sondern auch das Umfeld.