Südkurier vom 11.03.2004

39-Stunden-Woche für Schüler

Hegau-Gymnasium informiert über Schulprofil und achtjähriges Gymnasium
Ganz neue Perspektiven werden die Viertklässler vorfinden, die in diesen Tagen eine Empfehlung ihrer Grundschule für das Gymnasium bekommen. Sie werden der erste Jahrgang sein, der das achtjährige Gymnasium beginnt. Wie sich das Hegau-Gymnasium auf diese Umstrukturierung vorbereitet, das erfuhren Eltern bei einer Info-Veranstaltung.
Singen
VON SUSANNE GEHRMANN-RÖHM


Bild:
"Schule aus, wir gehn nach Haus"? Wenn das achtjährige Gymnasium kommt, müssen Schüler länger in der Schule bleiben. Bild/Archiv: sgr
Singen - Seit geraumer Zeit macht sich das Kollegium des Hegau-Gymnasiums Gedanken, welche Schwerpunkte sie in ihrem Schulprofil setzen können, um die Schule unverwechselbar zu machen. Neben dem Schwerpunkt "Bilinguales Französisch", die Schule ist deshalb seit Jahren Partnerschule für Europa, sollen pädagogische Schwerpunkte in der Persönlichkeitsbildung gesetzt werden. Dazu gehöre nicht nur das Miteinander einschließlich Teamfähigkeit, sondern auch Kreativitätsentfaltung, Umgangsformen und die Übernahme von Verantwortung. Außerdem sollen die fachlichen Kompetenzen und Arbeitstechniken gestärkt werden, erläuterte Studiendirektor Michael Vollmer.

Mit der Einführung des achtjährigen Gymnasiums wird die Schule in Zukunft mehr Lebensraum einnehmen. In den Klassen 5 bis 10 haben die Schüler insgesamt 206 Wochenstunden zu absolvieren. Diese werden mit den sogenannten Kontingentstunden und Poolstunden auf die einzelnen Jahrgangsstufen verteilt. Im Klartext heißt das, dass die Schüler wegen einer höheren Wochenstundenzahl in Zukunft schon ab der sechsten Klasse an manchen Tagen nachmittags Unterricht haben werden. Die Zahl der Wochenstunden erhöht sich zwischen der fünften und zehnten Klasse von 30 auf 38 bei Englisch als erster Fremdsprache und von 31 auf 39 Wochenstunden bei Französisch-Bilingual als erster Fremdsprache.

Die Poolstunden liegen dabei in der Eigenverantwortung der Schule. Hier hat das fächerübergreifende Arbeiten in der sechsten Klasse schon jetzt eine feste Verankerung im Schulprofil. Außerdem ist eine zusätzliche feste Klassenlehrerstunde in der fünften Klasse festgelegt worden. "Jetzt können wir endlich die Lernmethodik und Arbeitstechniken in den Vordergrund stellen," sagte Beratungslehrer Ernst Schmalenberger. Im fächerübergreifenden Unterricht lernen die Schüler in Zukunft schon in der sechsten Klasse die Grundlagen der einfachen Recherche in Nachschlagewerken und im Internet.

Als dritte Säule neben der Persönlichkeitsbildung und der Stärkung der fachlichen Kompetenzen sollte auch das Qualitätsmanagement eine Verankerung im Schulprofil finden, schlug der Elternbeiratsvorsitzende Rainer Behn vor. "So etwas sollte mit einer neuen Schulleitung, die zum Schuljahrsbeginn 2004/05 antritt, rechtzeitig besprochen werden", so Behn. Auch die Stärkung der Erziehungspartnerschaft sowie die Schule als Lebensraum sollten mit aufgenommen werden, resümierte Michael Vollmer nach zweistündiger Diskussion.

Dass die Schule für zukünftige Schüler im achtjährigen Gymnasium stressiger wird, sahen auch Vertreter der Schülermitverantwortung (SMV). "Bei 39 Wochenstunden in der zehnten Klasse wird es sicher stressig", so Frederik Laub, Schülersprecher aus der elften Jahrgangsstufe. Fraglich sei es dann, ob Schüler in der achten/neunten Klasse zukünftig noch anderen Hobbies wie Sport oder Musik nachgehen können, sagte Elternbeiratsvertreter Bernd Klein.