Kunst im öffentlichen Raum, das ist in Singen bekannt. Aber Schulunterricht im Eingangsbereich des Heikorn in der August-Ruf-Straße als Protest gegen die Raumnot im Hegau-Gymnasium, das war gestern Nachmittag für die Singener dann doch etwas Neues. Für Heinz Schnieber beispielsweise, der bei seinem Stadtbummel am Frischluft-Französischunterricht vorbeikam. Er blieb interessiert stehen und zeigte sich "positiv überrascht" von der Aktion, die von einem Vorspiel der Schul-Big-Band eröffnet wurde.
Auch Carmelio
Bruno machte vor dem reisenden Klassenzimmer Station. Er verfolge die
Singener Politik und es interessiere ihn, warum der Anbau für das
Hegau-Gymnasium nicht gekommen sei. Das Platzproblem nach Außen
zu
tragen, finde er ganz gut: "Nur wer kämpft, kann gewinnen", lobte
er
die Schüler der 11d, die gestern ihre Erwartung auch kund taten:
"Ich
hoffe, dass der Anbau kommt", wünschte sich so der
sechszehnjährige
Hermann Stabel, der zusammen mit seinen Klassenkameraden die
Frischluft-Schulbank drückte. Und dass Stress in der Schule nicht
nur
vor der nächsten Klassenarbeit aufkommen kann, demonstrierten die
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Gymnasiasten mit dem originalgetreuen Nachbau ihres Schulzimmers
eindrücklich: sechs Tischreihen auf 44 Quadratmetern, in denen
Stuhllehnen an Hinterbänken kratzten, in denen sich zwischen
Tischen,
Stühlen und Schülern Platz für einen vielleicht 30
Zentimeter breiten
Fluchtgang fand und in denen kein Platz für Schüler oder
Lehrer mit
Berührungsängsten blieb. "Beine übereinander schlagen
geht nicht",
sagte Klassenlehrerein Pia Lux vor Unterrichtsbeginn. "Wenn ich die
Tafel aufklappen will, müssen sich drei wegsetzen, wenn ich eine
Leinwand aufhängen will, müssen zehn Leute rücken",
umschrieb sie den
Zustand im altehrwürdigen Hegau-Gymnasium.
Darauf, dass von der Misere auch die Jüngeren betroffen sind, wies Jürgen Volker aus Gottmadingen am Rande des Protestunterrichts hin, dessen Sohn die sechste Klasse am "Hegau" besucht. "Da muss sich was tun", zeigte er, obgleich nicht in der Elternschaft organisiert, gestern Flagge: Nachmittagsunterricht ohne die nötigen Pausenräume kreidete er als Missstand an und sprach damit der Elternbeiratsvorsitzenden Ursula Klinkebiel-Henke aus der Seele, die beklagte, dass die Schüler durch die Raumnot über die Mittagszeit in die Stadt getrieben würden, was nicht zuletzt auch wegen des dort fehlenden gesetzlichen Unfallschutzes ein Problem darstelle.
Gregor Moser