Das Doppel-Pool-Konzept zur Sicherstellung des Französisch-Unterrichts am Hegau-Gymnasium
Inhalt 1
1. Vorüberlegung 2
2. Der Lehrerpool 3
2.1. Zielsetzung 3
2.2. Lehrbeauftragte finden 4
3. Der Finanzierungspool 5
3.1. Zielsetzung 5
3.2. Die Finanzierung 5
3.2.1. Lehrbeauftragte 5
3.2.2. Den Finanzierungspool füllen 5
4. Pilotprojekt 7
4.1. Pilotprojekt für alle bilingualen Klassen 7
4.2. Pilotprojekt für andere Fächer 8
5. Schlusswort 8
a) Ausfallende Unterrichtsstunden im bilingualen Fach Französisch mit der natürlich möglichen Besonderheit, dass auch Ersatzlehrer wegen Krankheit am Unterricht verhindert sein können,
b) die Erkenntnis, dass die Schulbehörde nicht in der Lage ist, über ein Springersystem den Unterricht, den sie anbietet, auch zu garantieren,
machen es notwendig, sich Gedanken über die Sicherstellung des Unterrichts im Fach Französisch, aber letztlich auch für alle Fächer zu machen.
Hier soll ein Konzept vorgestellt werden, wie Lehrbeauftragte gefunden und in Notfällen eingesetzt werden können, aber auch wie diese Lehrbeauftragten finanziert werden können.
Finanzknappheit, nur langsam malende Schulbehörden, arbeitspolitische Machtkämpfe usw sind für uns Eltern nicht die Größen, in denen wir uns Gedanken zu Bildung und Ausbildung unserer Kinder machen.
Wir möchten, dass der Idee einer Bilingualität so nahe wie möglich gekommen wird. Wir wollen, dass unsere Schüler1 möglichst viel Kontaktzeit mit fachlich gut ausgebildeten Lehrern, aber auch mit Franzosen und Frankreich haben, um eine gute Internalisierung von französischer Sprache und Kultur zu ermöglichen.
Komplett ausfallende Französischstunden, Aufsichtsführung mit fachfremden Lehren, beobachten von Hausaufgabenmachen in nichtfranzösischen Fächern durch Fachlehrer usw. erscheinen uns keine adäquaten Mittel, dem Ziel einer Bilingualität näher zu kommen.
Wir Eltern sind nicht zufällig wie bei einer Schnäppchenjagd im Kaufhaus auf den Zug „Bilingual Französisch“ gesprungen. In jedem Einzellfall steckt ein ganz persönliche und selbstredend hohe Motivation dahinter, diesen Schritt zu tun. Dem Zeitgeist folgend wäre Englisch sicherlich konformer gewesen.
Mit dieser Wahl sind wir eine besondere Verpflichtung unseren Kindern gegenüber eingegangen. Wir erwarten von der Schulbehörde, dass sie ihren Teil dazu beiträgt, die Idee „bilingualer Unterricht“ auch tatsächlich umzusetzen. Gerade in diesem Fach darf es keine Pannen geben.
Der Hauch von deutsch-französischer Freundschaft, von historischer Bedeutsamkeit darf sich gerne in konkreten Maßnahmen niederschlagen.
Wenn Französischlehrer ausfallen ist ohne Zweifel zunächst das Lehrerkollegium gefragt, dies ausfallenden Stunden abzudecken. Falls dies nicht möglich ist, muss, um einer Automatik entgegen zu wirken, immer auch das Oberschulamt angemahnt werden, notfalls mit Springern auszuhelfen. Dies selbstverständlich nicht nach einem halben Quartal sondern spätestens nach ein bis zwei Tagen.
Wir erwarten nach wie vor, dass die Bildungsbehörden dem selbstgestellten Bildungsauftrag auch nachkommen. Unsere Kinder gehen auch täglich zur Schule und Tankstellen werden auch nicht geschlossen, wenn jemand krank ist.
Sollte es mit Mitteln des Kollegiums oder eines Springersystems nicht möglich sein, die ausfallenden Stunden abzudecken, möchten wir als verantwortungsbewusste Eltern, dass der Unterricht sofort weitergeführt wird.
Die oberste Priorität hat für uns natürlich die Idee, dass ein Lehrer von bester Qualifizierung auf Dauer die Kinder unterrichtet.
Die nächste Prioritätsstufe wäre ein gleichfalls kompetenter Lehrer, der einspringt und versucht, weiter am Klassenstand zu arbeiten.
Die nächste Prioritätsstufe heißt für uns aber nicht Hausaufgaben machen oder Freistunde sondern einen Unterricht, der wie folgt aussehen könnte:
Sobald absehbar ist, dass ein Lehrer auch nur eine Stunde ausfällt, muss über das Sekretariat auf einen Pool von Personen zurückgegriffen können, denen es möglich ist, die Stunde abzudecken.
Da ist an pensionierte Französischlehrer zu denken,
an arbeitslose Französischlehrer, ausgebildet für Oberstufe
Französischlehrer, Übersetzer, Dolmetscher die an Sprachschulen oder Privat unterrichten
Romanistikstudenten,
Oberschüler des Hegaugymnasiums, die zufällig freihaben
Darüber hinaus kommen auch Personen in Betracht, deren Muttersprache Französisch ist. Wenn der neuesten Statistik zufolge, in Singen 80 Franzosen leben, scheint es uns nicht unmöglich, eine Handvoll für diese alternative Form des Unterrichts zu gewinnen.
Es ist sicherlich ein Gewinn für die Schüler, in gutem Französisch ( und das wäre neben einem guten Leumund das einzige Zugangskriterium zum Lehrerpool ) etwas erzählt zu bekommen: Sei es die beruflicher Werdegang, Lebensgeschichte, eine Beschreibung der Landschaft in der die Erzähler aufgewachsen sind, Einblicke in spezielle Interessen, Hobbies, Künste, Schulerlebnisse, Nationalgefühl, Verhältnis zur Geschichte, Politik, Philosophie, Beziehungen zu Deutschland....
Aber auch Kochen, Kochrezepte, Babypflege, Kinderreime, Kinderspiele, Witze, Anekdoten, Zeitungslektüre, Kurzgeschichten auf Französisch von Franzosen ....
Diavorträge, Französische Musik, klassisch oder modern, Liedtexte übersetzen.....
Was es auch immer sei, Hauptsache es geschieht auf Französisch mit Diskutieren, Nachfragen usw. Wie gesagt, alles aus dieser Rubrik erscheint uns sinnvoller als Hausaufgabenmachen oder Freistunde.
Wir haben unsere Kinder einer bilingualen Schule anvertraut.
Das Austauschprogramm ist aus vielerlei Gründen eher knapp bemessen. Wenn die Kinder schon so spärlich mit der Schule nach Frankreich kommen, dann holen wir uns doch Frankreich in die Schule.
Vorrangig scheint uns zu sein, Personen anzusprechen, die wir persönlich kennen, dazu würden auch ehemalige Lehrer gehören.
Eine Nachfrage in den französischen Partnerstädte-Vereinen könnte hilfreich sein.
Vorstellbar wäre auch die Gründung eines Arbeitskreises im Förderverein, indem Eltern aus verschiedenen Städten die Erfahrungen mit französischen Partnerstädten austauschen und Aktionen koordinieren.
Ferner Anzeigen in Zeitungen ( „parlez-vous français ...? ) mit gezielter Suche
Eine öffentliche Demonstration am Samstagvormittag in der Innenstadt mit Ansprechen von Passanten ( „parlez-vous français ...?“ ) könnte auf unser Problem aufmerksam machen.
Dies verbunden mit Interviews und Artikeln in den lokalen Zeitungen usw.
Solch publikumswirksamen Aktivitäten scheinen uns geeignet, Interesse an der Schule und dem Unterricht zu wecken und den Lehrerpool zu füllen.
Für die Auswahl dieser zusätzliche Lehrkräfte ist die Zusammenarbeit mit der Fachschaft Französisch unerlässlich. In einem persönlichen Gespräch von Französischlehrern der Schule und den Poolkandidaten könnte deren Französisch und charakterliche Eignung eingeschätzt werden.
Akzentgefärbtes Französisch müsste nicht unbedingt ein Ausschlußkriterium sein: Es schadet den Schülern sicherlich nicht, auch mal Südfranzösisch oder andere Akzentfärbungen gehört zu haben.
Wir gehen nicht von der Vorstellung aus, dass wir den Lehrerpool nur mit Idealisten füllen können, die es hoffentlich auch gibt.
Die Vorstellung, in Frankreich zu leben und in der Nachbarschaft eine Schule zu haben, die bilingual Deutsch lehrt, sich für Deutschland interessiert, könnte manche von uns schon dazu bewegen, gelegentlich in der Schule einen kleinen Vortrag zu halten und mit den Schülern zu diskutieren.
Ein zusätzlicher finanzieller Anreiz dürfte sicherlich helfen, qualifizierte und motivierte Lehrer und Franzosen zu finden.
Zum Glück gibt es die Einrichtung des Lehrbeauftragten:
Das Salär von 7 Euro pro Stunde ist natürlich nicht das, was einen Selbständigen oder eine Hausfrau locken könnte, sich in eine Schule zu begeben. Es muss aufgestockt werden. Im Falle des Englischunterrichts an Grundschulen geschah dies durch Fördervereine.
Deswegen muss ein Finanz-Pool gebildet werden, aus dem heraus das Lehrbeauftragtengehalt aufgestockt werden kann.
Es muss also gerechnet werden: 7 € plus ......
- Freiwilligen Spenden der Eltern
( Nachhilfeunterricht dürfte teurer werden )
Wenn Lehrbeauftragte zur Verfügung stünden, wäre dies sicher die schnellste Art,
Unterrichtsstunden zu finanzieren.
- Selber verdientes Geld der Schüler
- französische Kulturabende, klassen- oder schulintern mit Spenden
der Besucher ( Musikalische Darbietung, französische Gedichte,
kleine Theaterstücke, Kabarette..... unsere Schüler sind sehr kreativ..
- Verkauf von Crêpes oder Sandwichs bei einer öffentlichen Demonstration
- Nachhilfeunterricht
Hier scheint uns ein großes Potential zu liegen:
Schüler aus Unterstufenklassen des Gymnasiums, aber auch an
Realschulen könnten Nachhilfeunterricht von unseren Schülern bekommen
Das so verdiente Geld könnte ganz oder vielleicht hälftig in den Finanz-
Pool gesteckt werden.
Über die Öffentlichkeitsarbeit könnte diese Möglichkeit bekannt gemacht
werden.
Neben dem finanziellen Aspekt scheint uns darin auch eine Form des
Spracherwerbs für unsere Schüler zu sein: Sie werden sicherer werden.
- Fördermittel und Spenden des Fördervereins für das Hegaugymnasium, von Partnerstadt-Vereinen, Partnerstädten, Deutsch-Französischem Jugendwerk, französisches Kultusministerium, Sponsoren aus Industrie und Wirtschaft ( für einen Teil unserer Schüler die künftigen Arbeitgeber )
( Wir sind dankbar für alle, die unsere Idee eines bilingualen Unterrichtes fördern.. )
Dies kann natürlich nur ein Gedankenanstoß sein. Wenn Viele darüber nachdenken, werden sich sicher noch viele Finanzierungsmöglichkeiten finden lassen.
Die konkrete Höhe der Vergütung wird sich unter anderem durch Angebot und Nachfrage ergeben. Die Vergütung könnte für einzelne Gruppen konnte auch gestaffelt sein je nach Ausbildungsstand.
Falls sich dieses Projekt bewährt, könnte es selbstverständlich für alle bilingualen Klassen angewendet werden.
Der Lehrer-Pool stellt dabei kein Problem dar:
Die Lehrbeauftragten könnten mit einem Vortrag mehrfach etwas verdienen,
die Lehrbeauftragten könnten je nach Qualifizierung differenzierter eingesetzt werden usw.
Bezüglich des Finanzierungspools muss bedacht werden, dass die Motivation, für ein solches Projekt zu arbeiten, dann absinken dürfte, wenn andere Klassen das selber verdienten Geld ausgeben.
Geschickter wäre es wohl, für jede Klasse einen Finanzierungspool zu bilden: Wer sich stark engagiert, viel Nachhilfe gibt usw., profitiert auch im Unterricht.
Idealzustand wäre, wenn der Finanzierungstopf satt gefüllt ist, sich viele Lehrbeautragte in den Lehrer-Pool drängen und keiner der Lehrer aus dem Kollegium ausfällt.
Dann könnte man in aller Ruhe darüber nachdenken, ob es nicht sogar Sinn machen würde, zusätzlich zum Regelunterricht gelegentlich solche Stunden mit Muttersprachlern anzubieten.
Falls das
Doppel-Pool-Projekt auf Schulebene laufen sollte, wäre natürlich
auch an einen
dies gallicus zu denken:
Für einen Tag, oder auch für eine Woche im Jahr ist „französische Tag“ oder „französische Woche“:
Musikgruppierungen gibt es an der Schule genug, um französische Abende zu gestalten,
Theaterbegeisterte gibt es genug, die auch mit französischen Stücken auftreten könnten,
ehemalige Schüler der Schule, die noch Kontakt mit Französisch oder Frankreich haben, könnten Vorträge halten,
ebenso die Vertreter von französischen Partnerstädten aus dem Einzugsgebiet des Hegaugymnasium ( La Ciotat, Champangole usw. ). Hat eigentlich schon mal ein französischer Konsul unsere Schule besucht?
Es müsste Standart sein, dass jede Delegation, die sich aus La Ciotat in Singen aufhält, einen Vertreter für eine Stunde abstellt um einer Schulklasse oder öffentlich für alle, über neueste Entwicklungen, Ereignisse, in der Partnerstadt zu berichten. Vorträge zur Geschichte der Partnerstädte usw. wären nicht ausgeschlossen.
Und über der Schule weht für eine Woche die Tricolore....
Natürlich fallen an der Schule auch Lehrer anderer Fachrichtungen aus. Und im Prinzip könnte man dann für alle Fächer solche Pools bilden, was sicher zu einem großen Verwaltungsaufwand führen würde.
Vielleicht ließen sich Konstruktionen finden, in denen Spenden für die Schule von allen Schülern eingeholt werden und dafür auch mal Pharmakologen, Chemiker, Umweltbiologen, Programmierer als Lehrbeauftragte sonst ausfallende Stunden übernehmen könnten.
Aber wenn den Universitäten und den Schulen künftig mehr Spielraum zugestanden wird, scheint uns ein solches Poolkonzept mit Sponsoren äußerst hilfreich zu sein, die Gestaltungsmöglichkeiten der Schule zu verbessern. Bei zunehmend knappen öffentlichen Kassen werden wir künftig nicht umhinkommen, solche Möglichkeiten auszuschöpfen.
Nur eines ist ganz klar:
Als verantwortungsbewusste Eltern werden wir vieles können, nur eines nie:
abwarten.
Wir sehen an den Zentimetern, die die Kinder in die Höhe wachsen, an den zunehmenden Schuhgrößen, wie die Zeit vergeht.
Es muss etwas getan werden.
Wir wollen, dass unsere Kinder die bestmöglichste Bildung und Ausbildung bekommen und zwar heute.
Dies ist der Entwurf eines Konzeptes zur Kompensation von ausfallenden Unterrichtsstunden und zur intensiveren Gestaltung des bilingualen Unterrichts.
Als Pilotprojekt könnten damit Erfahrungen für eine spätere schulweite Anwendung gesammelt werden.
Dieser Vorschlag ist sicherlich noch verbesserungsfähig.
Er ist hiermit zur Diskussion gestellt.
Gerhard Löffler-Firle
1 Um allzu globiges Schreiben zu vermeiden, sei darauf hingewiesen, dass Schüler auch für Schülerin, Lehrer auch für Lehrerin, Politiker auch für Politikerinnen usw. stehen soll.