PPP: Die unheimlich uneigennützigen Helfer


(Bernd Klein)

Es gibt viele, die meinen, dass unsere Jugend auch deshalb in Studien so schlecht abschneide, weil sie sich zu viel mit neuen Medien und insbesondere mit Computern beschäftige.

Am 6. Dezember konnte man einen gänzlichen anderen Ansatz in der Frankfurter Rundschau lesen. Zu wenig Unterricht am Computer überschreibt Knut Pries seinen Artikel. "Die Vermittlung von Computer-Kenntnissen bleibt ein Schwachpunkt deutscher Schulen. Insgesamt verbesserten sich aber die deutschen Jugendlichen im neuen Pisa-Test auf einen Mittelplatz.", lernen wir im Vorspann.

Nach Meinung des Autors kann man direkt aus den Kompetenz-Tests der Studie ableiten, - den Beweis bleibt er jedoch schuldig - dass "Deutsche Schülerinnen und Schüler überdurchschnittlich neugierig auf Computer und ihre Anwendung" seien, aber sie bekämen dazu aber in der Schule nur wenig geboten. Zwar sei der Anteil der Schulen, an denen regelmäßig Computer zum Einsatz kommen, von 16 auf 21 Prozent gestiegen, aber er liege damit erheblich unter dem OECD-Schnitt von 39 Prozent.

Aber gerade der verstärkte Einsatz von Computern, Internet und anderen modernen Medien erfordert nicht unerhebliche Investitionen in den Schulen und dies sowohl für die Beschaffung und Instandhaltung der Infrastruktur als auch für die Weiterbildung der Lehrkräfte. Aber Retter scheinen nahe: Unter dem Slogan Public Private Partnerships zeigt die Industrie den Schulen einen Ausweg. PPP - was die Deutschen lieben, kürzen sie ab - verspricht "schlummernde Potentiale der Kooperation" zu aktivieren und wird als neuartig und innovativ gepriesen. Wehe dem, der auf altbackene Redewendungen wie "Wer die Musik bezahlt, bestimmt auch, was gespielt wird. " setzt.

Auf seiner deutschen Webseite brüstet sich der Monopolist Microsoft mit seinem vielfältigen Engagement im Bildungsbereich. "Ideen in Bewegung; Mehr Mobilität in der Wissensgesellschaft." lautet das Motto des diesjährigen Jahreskongresses der  Initiative D21, deren Hauptmäzen wohl Microsoft ist.  Jürgen Gallmann, Vorsitzender der Geschäftsführung von Microsoft Deutschland, sieht Bildung als eine Aufgabe, die alle angeht. Eine Binsenweisheit, die uns unsere Politiker/innen schon seit Jahren um die Ohren trompeten. Auch er sieht in Public Private Partnerships  Wege für den Einsatz neuer Medien in der Bildung. Solche Ansätze sollten fortentwickelt werden und nicht nur auf den Gesetzgeber verwiesen werden.
 
Aber man sollte sich die großherzigen Angbote der Industrie ruhig genauer ansehen, denn dann erkennt man, dass die "Geschenke" sowohl in Qualität als auch in Quantität nicht halten, was sie versprechen. Ein Großteil der Subventionen, die  von Microsoft nicht nur in Deutschland in den Bildungssektor gepumpt werden, verfolgen nicht die Bildung  unserer  Kinder als oberstes Ziel sondern die Sicherung ihres Monopols auch in der nächsten Generation. Was spart eine Schule, wenn sie von Microsoft zu verbilligten Preisen Microsoft-Server erhält, obwohl sie kostenlos die stabilere und sicherere Variante von Linux haben könnte, auf Wunsch auch mit kostenloser Unterstützung der Industrie (SuSE, IBM)? Warum sollte eine Schule zu verbilligten Preise die Office-Software eines Monopolisten kaufen, wenn sie mit dem OpenOffice-Paket eine kostenlose Variante hat, die funktional dem Redmonder Produkt ebenbürtig ist und sich wegen der offenen Schnittstellen didaktisch besser einsetzen lässt?

Kann man wirklich auf uneigennützige Hilfe von großen Konzernen hoffen, die skrupellos Menschen entlassen und unerbittlich dafür kämpfen, ihre Abgaben für die öffentliche Hand zu senken; Abgaben, die letztendlich auch für den Ausbau unserer Kindergärten, Schulen und Universitäten sind. Was können wir von Konzernen erwarten, die trotz Rekordgewinnen weiter Mitarbeiter entlassen? Als besonders unrühmliches Beispiel sticht hier wohl die Deutsche Bank hervor, die einen Vorsteuergewinn von 3,7 Milliarden Euro in den ersten neun Monaten dieses Jahres erwirtschaftet hat und bis zum Ende des Jahres ein Gewinn von fast 5 Milliarden (5.000.000.000,-) Euro erwartet. Ein Gewinn, wie nur einmal zuvor in der Firmengeschichte dieser Bank. Sicherlich haben die 1920 Mitarbeiter, deren Entlassung man am 1. Dezember 2004 verkündet hat, volles Verständnis dafür, dass Sie im nächsten Jahr die Ehre haben, mit dazu beitragen zu dürfen, den Shareholder Value "ihrer" ehemaligen Firma ins Unermessliche zu steigern. Sollen wir wirklich auf solche Hilfe hoffen?