Südkurier, 21.10.2005

Ganz schön unverschämt

Theatergruppe des Hegau-Gymnasiums spielt "Geschichten aus dem Wiener Wald"

VON JACQUELINE WEISS

Zur Verlobung ein Erinnerungsfoto: Die Theatergruppe des Hegau-Gymnasiums spielt Nichts gibt so sehr das Gefühl der Unendlichkeit als wie die Dummheit." Dieser Satz stammt vom Schriftsteller Ödön von Horvath und er steht im Programmheft der Theatergruppe des Hegau-Gymnasiums, die am Freitag mit dem Stück "Geschichten aus dem Wiener Wald" in der Aula Premiere hat. Die 25 Schüler der neunten bis dreizehnten Klasse haben rund sieben Monate geprobt. Sie haben sich das Stück selbst ausgesucht. Es führt die Doppelmoral einer modernen Gesellschaft vor, die ritualisierten Verhaltensweisen und die Menschen, die in ihrer gesellschaftlichen Stellung gefangen sind. Bei all' dem Bösen und Grausamen blitzt immer wieder ein Humor durch, der lauthals lachen lässt und die Bösartigkeit durchbricht. Die Schüler habe das Thema fasziniert, weil es um Selbstverwirklichung, um Anpassung oder Revolution gehe. Darum, wie man mit Wörtern quälen kann, um latenten Nationalsozialismus, ein Mitläufertum, das den Nährboden für Nationalsozialismus bietet, erklärt Pia Lux, Leiterin der Theatergruppe. Auch gebe es immer wieder sexuelle Anspielungen im Stück, deren Spielen und Aussprechen auf der Bühne für die Jugendlichen etwas Befreiendes habe. Ihr gefällt die Wahl und wie die Schüler das Stück spielen. "(Un)Verschämt im positiven Wortsinn", sagt die Deutsch- und Lateinlehrerin. Die "Geschichten aus dem Wiener Wald" zeigen eine junge Frau, Marianne, die ehrlich liebt und leben will. Sie verschmäht den ihr zugedachten Partner und wählt einen anderen. Doch Ehrlichkeit ist nicht die Sache der Gesellschaft. Marianne bezahlt einen hohen Preis. Sie wird ausgegrenzt, das Kind von ihr und ihrem Geliebten wird ihr abgenommen. Sie muss klein beigeben. Das wahrhaftige Mädchen wird von der Gesellschaft pervertiert, in ihre Rolle gezwungen. "Du entgehst meiner Liebe nicht", sagt ihr Bräutigam zu ihr. Die Kostüme der Schüler sind im Stil der 30-er Jahre, ansonsten ist die Ausstattung eher sparsam und stilisiert, denn das Stück ist immer aktuell. Zwischen den Szenen erklingt Walzermusik. Ödön von Horvath hat das Stück 1931 veröffentlicht. Es soll eine Abrechnung mit den Wienern und ihren kulturellen Beschäftigungen sein und ist nach einer Komposition von Johann Strauß benannt.