Südkurier, 21.10.2005

Eine Schule kämpft um Raum

OB verspricht dem Hegau-Gymnasium: "Es wird etwas passieren"

Wie groß ist denn nun so ein Klassenzimmer? Ziemlich klein. Diese Erfahrung machten gestern Gemeinderäte und OB Oliver Ehret im Hegau-Gymnasium. Gestern machte die Schule mit mehreren Aktionen auf die drangvolle Enge an ihrer Schule aufmerksam. Morgens im Unterricht, am Mittag ging's in die Innenstadt (siehe Bericht unten).

VON GEORG BECKER

Singen - Um 11 Uhr hatte Schulleiter Andreas Uhlig Vertreter des Gemeinderats und Singens OB Oliver Ehret zum Unterricht einbestellt. Das Hegau rückte mit seinem Kompetenzteam aus dem Kollegium an: Dietmar Vogler für den Stundenplan, Pia Lux von der Theater AG, Bettina Böhler für Schule und Wirtschaft, Kerstin Schuldt macht Öffentlichkeitsarbeit. Unterstützung bekamen sie von den Schülersprechern Lara Schmalohr und David Gilli sowie den Redakteuren von der Schülerzeitung Cuprex.

Unterricht unter dem Kaufhausvordach vor vielen Zuschauern: Die Klasse 11d baute vor dem Heikorn die beengte Unterrichts-Wirklichkeit nach (siehe untenstehenden Bericht). Bilder: Sabine TescheDas Thema der Stunde lautete: Wie beengt ist der Alltag im Hegau-Gymnasium? Die Frage war sehr schnell beantwortet - sehr eng. Damit er die Schiefertafel im Zimmer 220 einklappen und den Tageslichtprojektor ausklappen konnte, mussten die Unterrichtsgäste den Kopf einziehen. Oder aufstehen. Und das von einem Stühlchen, das für Grundschüler geeignet sein mag. Aber ausgewachsene Schüler sind größer. Schülerzeitungsredakteur Christoph Püthe diente mit seinen 1,90 Meter Länge als Anschauungsmaterial. "Damit sie ein Sitzgefühl bekommen", lud Uhlig die Politiker zum Platznehmen ein.

Schulleiter Andreas Uhlig (links) führt OB Oliver Ehret und einigen Stadträten Tücken des Unterrichtsalltags vor.Obwohl die Versetzung aufgrund der schulischen Leistungen nie gefährdet war, ist das Hegau in der Schulbürokratie sitzen geblieben. Statt den fünfzügigen Ausbau zu genehmigen, verweist das Kultusministerium auf das vielleicht im nächsten Jahr doch noch zu genehmigende Gymnasium in Engen. Bei der Zuteilung von Zuschüssen im so genannten Windhundverfahren für den Ausbau zum Ganztagesbetrieb lief das Hegau-Gymnasium als Pudel ins Ziel. Begossen, aber ohne Zuschüsse. Das heißt: Es gibt für 42 Klassen nur 33 Klassenzimmer, es gibt keinen Aufenthalts- und Arbeitsraum für die Schüler. "Wenn sie im Winter Hausaufgaben machen, liegen sie auf dem Flur im eigenen Matsch, den sie vorher reingetragen haben", schilderte Uhlig die Zustände. Stadträtin Regina Brütsch bilanzierte: "Das Hegau-Gymnasium hat einen Ganztagesunterricht, aber ist keine Ganztagesschule." Dietmar Johann ärgerte die Fristverlängerung für Engen durch das Kultusministerium: "Es kann nicht sein, dass uns das komische Versprechen blockiert."

Die Blockade will OB Ehret bei einem Gespräch mit Kultusminister Helmut Rau am 30. November aufheben. "Das sind unerträgliche Zustände", stellte Ehret fest. Das Hegau-Gymnasium fordere mit Fug und Recht den Ausbau. Der OB kündigte an: "Es wird an dieser Schule etwas passieren, das kann ich versprechen." Wenn es nach Stadtrat Peter Hänssler geht, muss es der Baubeginn sein: "Spätestens im Sommer 2006."

Bilder vom Aktionstag für den Ausbau des Hegau-Gymnasiums stehen im Internet unter www.suedkurier.de