Südkurier: 16.06.2004

Abistreich endet unfreiwillig

Schülerin verletzt bei dem Versuch, das Hegau-Gymnasium unerlaubt zu verlassen

Der Abistreich im Singener Hegau-Gymnasium nahm gestern ein unerwartetes und vor allem unfreiwilliges Ende. Drei Schülerinnen der sechsten Klasse wollten dem bunten Treiben heimlich entkommen. Dabei verletzte sich - dem Vernehmen nach - eine schwer an der Hand und musste im Singener Krankenaus behandelt werden.
Singen
VON GUDRUN TRAUTMANN


Bei dem Versuch, das Schulgelände des Hegau-Gymnasiums über den Gitterzaun zu verlassen, hat sich gestern eine Schülerin schwer verletzt. Bild: Tesche

Singen - Auch wenn die Abiturienten am Singener Hegau-Gymnasium in der kommenden Woche noch ihre mündliche Prüfung absolvieren müssen, so hat die Jahrgangsstufe 13 doch gestern schon ihren Abistreich veranstaltet. Die Machtübernahme der Abschlussschüler für ein paar Stunden über das Schulgeschehen gehört zu den Ritualen einer Gymnasiallaufbahn. Mit dem Abistreich wollen die Abgänger sich noch einmal richtig von der Schule, den Lehrern und den jüngeren Schülern verabschieden. Zu dem Ritual gehört auch, dass der Streich geheim bleiben muss.

Das war den Abiturienten auch gelungen. Und auch der Streich selber sei sehr gelungen und originell gewesen, wie aus Schülerkreisen und von Lehrern zu erfahren war. Doch als das Geschehen unter dem Motto "Bac-Abi" etwa eine Stunde in vollem Gang war, wurde plötzlich bekannt, dass sich eine Schülerin der sechsten Klasse schwer verletzt hatte. Während Schüler und Lehrer auf dem roten Platz Strandleben spielten und mächtig Spaß hatten, versuchten drei Schülerinnen, über den Maschendrahtzaun das Schulgelände unerlaubt zu verlassen. Bei dem Versuch, hinter Büschen über den Zaun zu klettern, muss eine der 12-Jährigen sich so unglücklich an der Hand verletzt haben, dass sie ins Krankenhaus gebracht werden musste. Die Schulsanitäter hätten sofort erste Hilfe geleistet.

Ältere Schüler wissen, dass dieser Zaun seine Tücken hat. Es ist auch bekannt, dass sich immer einige absetzen wollen. Man habe aber nicht sehen können, dass einige Schüler durch das Gebüsch verschwinden wollten.

Schulleiter Hanns Rainer Butz verweigerte gestern aus "Respekt vor der Intimsphäre der Familie" jegliche Auskunft über den Vorfall. Er bestätigte nur, dass das Mädchen ins Krankenhaus gebracht wurde. Auf die Frage, ob die Schule ihre Aufsichtspflicht verletzt hat, antwortete er: "Aus meiner Sicht ist niemand von der Schule dafür verantwortlich zu machen. Das Gelände ist so groß, das nicht überall jemand sein kann."