Singen - Bernd Walz wollte im Ausschuss Schule und Sport bei der Vorlage des Schulberichts für das laufende Schuljahr die Stadträte vorbeugend beruhigen. Weder sei eine Tendenz ersichtlich, noch müssten voreilig Schlüsse aus den erstmals zurückgehenden Schülerzahlen gezogen werden. Auch OB Oliver Ehret bemühte sich um eine vorsichtige Beurteilung: "Wie es weitergeht, hängt davon ab, wie sich Singen als familienfreundliche Stadt entwickelt." Der Rückgang der Schülerzahlen betrifft nur die Grund- und Hauptschulen. Die Grundschulen haben einen Rückgang von 0,8 Prozent zu verzeichnen, die Hauptschulen gar 7,2 Prozent.
Besonders ins Auge fallen im Schulbericht die kleinen Klassen der Hauptschulen in Bohlingen und Überlingen am Ried. Die fünfte Klasse in Überlingen besuchen nur sechs Schüler, die sechste 13. Auch in Bohlingen liegen die Zahlen unter dem Durchschnitt, die siebte und neunte Klasse besuchen je 12 Schüler, in der achten Klasse sind 20 Schüler. Enger geht es in den städtischen Hauptschulen zu, die Waldeckschule hat im Schnitt 24 Schüler pro Klasse, der Klassendurchschnitt der Beethovenschule liegt bei 22 Schülern, der der Schillerschule bei 20,3 Schülern und der der Hebelschule bei 18,9 Schülern. Michael Willmeroth, der geschäftsführende Schulleiter, stellte die Grundsatzfragen: "Ist es politisch gewollt, dass die Hauptschulen in Bohlingen und Überlingen aufgelöst werden und wie will man die Hebelschule sinnvoll nutzen?"
Als "Abstimmung mit den Füßen" bezeichnete OB Ehret die Wahl der Eltern für ihre Kinder mit einer Empfehlung auf weiterführende Schulen. Die Realschulen sind beliebt, Zeppelin- und Ekkehardrealschule verzeichnen ein Plus von 1,8 Prozent, das Friedrich-Wöhler- und das Hegau-Gymnasium haben noch einmal 1,2 Prozent zugelegt. Viele Eltern wählen für ihre Kinder mit Gymnasialempfehlung den Weg über die Realschule, um dann über die beruflichen Gymnasien das Ziel Abitur zu erreichen. Willmeroth machte auf die Tücke dieser Rechnung aufmerksam: "Die beruflichen Gymnasien können nur eine beschränkte Anzahl Schüler aufnehmen." Für Barbara Braun von der Ekkehardrealschule hängt das Problem mit der Ausstattung der Gymnasien, wie etwa dem Hegau-Gymnasium, zusammen. Für viele sei das eine Zumutung: "Das muss man sehen." Deshalb würden Eltern auf andere Schulen ausweichen. Wären die Gymnasien mit genügend Räumen und einer Mensa ausgestattet, dann würden auch wieder die Übergangszahlen an den Gymnasien stimmen, glaubt die stellvertretende Leiterin der Ekkehardrealschule.