Lebhaft und zuweilen lautstark ging es gestern
in der
Diskussionsrunde mit Rezzo Schlauch (58) im Hegau-Gymnasium zu. Etwa 20
Schüler der Oberstufe waren gefordert, den Ex-Politiker mit Fragen
zu
löchern und ihm Details seiner politischen Laufbahn zu entlocken.
Die
Schüler reagierten zunächst etwas verhalten. Doch dann war
das "Eis
gebrochen" und die Schüler nahmen die Herausforderung an. Sie
wollten
genau wissen, wie der Atomkraftgegner und Ex-Fraktionsvorsitzende der
Grünen im Bundestag seine Mitgliedschaft im Beirat des
Energieunternehmens EnBW mit seiner Einstellung vereinbaren konnte.
"Die EnBW ist kein regeneratives Energieunternehmen", räumte Schlauch ein. Ein verschmitztes Lächeln wollte der Schwergewichtspolitiker von einst dabei nicht unterdrücken. Als habe er auf die Frage gewartet, setzte er zum Konter an. Die EnBW sei jedoch das einzige der vier großen Energieunternehmen, das das Energiegesetz nicht bekämpfe, so Schlauch. Er möchte die übrigen Beiratsmitglieder mal mit etwas anderem konfrontieren. "Mit dem Thema erneuerbare Energien, das ist meine Motivation", erklärte Schlauch. Sollte beispielsweise eine Verlängerung der Laufzeiten der Atomkraftwerke beschlossen werden, würde er daraus Konsequenzen ziehen. Dann wolle er aus dem EnBW-Beirat wieder aussteigen.
Warum er denn aus der Politik ausgestiegen sei, wollte eine Schülerin wissen. Schlauch antwortete, er habe nach 20 Jahren alles erreicht. Vom OB-Kandidat der Grünen in Stuttgart bis zum Fraktionsvorsitz im Bundestag in Berlin. Er schätzt auch die Unmittelbarkeit seiner jetzigen Arbeit als Anwalt. In der Politik sei es mühselig zu erfahren, ob man Erfolg habe oder nicht. Dass sei in seinem Beruf als Anwalt anders, da bekomme man immer ein Ergebnis. "Es war eine saugute Entscheidung", sagte Rezzo Schlauch zu seinem Ausstieg.
"Warum sind Sie ans Hegau-Gymnasium gekommen?", interessierte sich ein Schüler. Er sei der Einladung von Schulleiter Andreas Uhlig gefolgt. Mehr noch. "Für mich haben die Schulen absolute Priorität", unterstrich Schlauch seine Aussage, direkte Kommunikation sei nicht ersetzbar.
Ein Schüler kritisierte, dass erneuerbare Energieformen wie Photovoltaik bald ausgeschöpft seien. Rezzo Schlauch bezeichnete die Prognose des Schülers als sehr gewagt. Der Anteil erneuerbaren Energien liege derzeit bei 10 Prozent und würde stark anwachsen, lautete Schlauchs Argument. Doch der Schüler ließ nicht locker. Er glaube, dass der Photovoltaik zu viel Aufmerksamkeit gewidmet werde und andere erneuerbare Energieformen viel effizienter wären. Rezzo Schlauch hielt dagegen, dass die Photovoltaik, also die Energiegewinnung aus Sonneneinstrahlung, noch am Anfang ihrer Wirksamkeit sei. Rezzo Schlauch forderte: "Man muss sehr genau schauen, welche regenerativen Energien in welchen Landstrichen effizient sind."
Gemeinschaftskundelehrer Ekkehard Senn, der ebenfalls an der Diskussionsrunde teilnahm, schaltete sich nun ein und ergriff Partei für seinen Schüler. Schlauch hielt dagegen und schaltete nicht auf Schmusekurs. Für einige Minuten war alle Aufmerksamkeit auf diese beiden Kontrahenten gerichtet. Im Eifer des Gefechts benutzte der Rezzo Schlauch daraufhin das Mittel der gehobenen Lautstärke und die Wiederholung seiner Argumente.
Die Diskussion endete versöhnlich.
Alle stellten fest, dass sie im Grunde ihres Herzens keine
Atomkraftbefürworter sind. 20 Jahre nach der Katastrophe in
Tschernobyl
war das die Mehrheitsmeinung gestern auf dem Hegau-Gymnasium. Und das
Urteil über die Diskussion war einhellig: "Klasse und lebhaft."