Artikel aus dem Südkurier  vom 07.12.2004

Ein schönes Fest und viele Scherben

Eine Gruppe Jugendlicher stört draußen den Schulball am Hegau-Gymnasium

Am Montag danach ist für Schulleitung und Polizei Aufarbeiten angesagt. Etwa 40 bis 60 Jugendliche randalierten im Umfeld des Hegau-Gymnasiums in Singen, während die Schüler am Freitagabend friedlich ihren Schulball feierten. Singen

VON GEORG BECKER

Singen - Schulleiter Andreas Uhlig verteilt für die Mitglieder der Schülermitverwaltung (SMV) nur beste Noten. Sie hätten den Schulball am Freitagabend prima vorbereitet, die Turnhalle rund um das Motto "Moulin Rouge" klasse dekoriert und alles dafür getan, damit der Ball rundum hätte friedlich ablaufen können: "Drinnen hatten wir auch ein schönes Fest."

An der Türe standen zwei Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes, die von Schülern aus der Oberstufe assistiert wurden. "Die haben gesagt, wer zum Hegau gehört und wer nicht, natürlich sind nicht alle reingelassen worden", erläutert Schulleiter Uhlig die Handhabung an dem Abend. Zudem hätte der Sicherheitsdienst die Taschen kontrolliert. Die Nachbarn seien im Vorfeld über Flugblätter vom Schulball informiert, die Polizei sei verständigt worden. "Mehr kann man nicht machen", sagt Uhlig. Er selbst ist bis 23 Uhr an diesem Abend geblieben, Lehrer aus dem Kollegium seien während des ganzen Festes da gewesen. Der Leiter des Singener Polizeireviers Fritz Marxer bestätigt: "Die Schule hat alles getan, was möglich ist."

Nur mit der Zusammenrottung von 40 bis 60 Jugendlichen im Umfeld der Schule habe keiner rechnen können. Nach Angaben von Polizei und Schulleitung soll es sich dabei im Kern um Russlanddeutsche aus der Nordstadt gehandelt haben, sie seien erheblich angetrunken gewesen. Neben Sachbeschädigungen an Autos in der Alemannen- und Widerholdstraße haben sie an verschiedenen Plätzen rund ums Hegau-Gymnasium und der Tittisbühlschule eine Spur von Glasscherben hinterlassen.

Fritz Marxer versteht das mulmige Gefühl von Schülern und Lehrern, auf der anderen Seite weist er auch auf die Situation der Polizei hin: "Wir können nicht zu jedem Fest eine Streife abstellen." Der Schulhof werde wie andere öffentliche Plätze regelmäßig kontrolliert, doch ermögliche die Rechtslage beim Antreffen von vielleicht auch alkoholisierten Jugendlichen nicht immer einen Platzverweis. Auf die Ereignisse am Freitag habe die Polizei mit dem Einsatz von mehreren Streifenwagen reagiert, sie müssten noch abgearbeitet werden. Für Fritz Marxer steht nach dem Lesen des Berichts fest: "Sie müssen ganz massiv gewesen sein."

Mehrere Anrufer bei der Polizei hätten sich über den Zug der Jugendlichen beschwert und Schäden an geparkten Autos gemeldet. Auf dem Schulparkplatz seien Festbesucher unangenehm angemacht worden. Unrühmlicher Höhepunkt war der Angriff auf das Auto einer jungen Frau und das Eintreten der Fensterscheibe. Andreas Uhlig will die bedrohliche Situation nachts auf dem Schulhof des Hegau-Gymnasiums entschärfen. Mit der Stadt sei er übereingekommen, Strahler mit Bewegungsmeldern zu installieren: "Ich hoffe, dass wir die Situation dadurch in den Griff kriegen."