Das Hegau-Gymnasium in Singen platzt aus allen Nähten. Die Schule macht aus der Not eine Tugend und will morgen, Donnerstag, um 14 Uhr in der August-Ruf-Straße eine öffentliche Unterrichtsstunde abhalten und über den Alltag im Hegau informieren. "Wir haben 42 Klassen und 33 Klassenzimmer", bringt Schulleiter Andreas Uhlig im SÜDKURIER-Interview die Raumnot auf eine anschauliche Gleichung.
Herr Uhlig, hat das Hegau-Gymnasium einen Werbebedarf?
Ja, den haben wir. Ich habe das Gefühl, dass wir in der Öffentlichkeit nicht so bekannt sind, und dass wir immer noch unter dem Bild eines alten, angestaubten, konservativen und überalterten Gymnasiums firmieren. Das ist das Bild, das die Bevölkerung oft noch von unserer Schule hat.
Und die Wirklichkeit sieht anders aus?
Sie sieht ganz anders aus. Außen herum haben wir zwar noch ein altes Gemäuer, aber innen viel moderne Kommunikationstechnik und noch wichtiger, ein ganz junges Kollegium. Der Altersdurchschnitt bei unserer Lehrerinnen und Lehrern liegt zwischen 40 und 41 Jahren. Das ist für ein Kollegium in einem Gymnasium sehr jung.
Aber Latein- und Griechischunterricht gibt's am Hegau schon noch?
Latein sogar mit steigender Schülerzahl, Griechisch nur noch als AG, also als freiwillige Arbeitsgemeinschaft. Dafür haben wir die Weltsprache Spanisch im Programm. Die Spanier laufen den Franzosen sicher bald den Rang ab, die Nachfrage nach dieser Sprache wird deutlich steigen.
Wie viele Schüler gehen denn aufs Hegau-Gymnasium in diesem Schuljahr?
1100.
Und da behaupten Sie, man kennt das Hegau-Gymnasium nicht?
Das hat nichts mit den Schülerzahlen zu tun. Sagen wir es so: Unsere Probleme werden einfach nicht so wahrgenommen.
Welche Probleme haben Sie denn?
Wir haben 42 Klassen und 33 Klassenzimmer. Von den 33 Klassenzimmern liegen sieben unter den Schulbaurichtnormen. Wir haben keine Caféteria oder Mensa und wir haben keine Schüleraufenthaltsräume. Bei uns werden die Hausaufgaben auf dem Bauch liegend im Flur gemacht. Es fehlt an Schülerarbeitsplätzen, an dem die Schüler selbstständig arbeiten können.
Aber die Lehrer haben genügend Platz?
Das Lehrerzimmer ist für über 80 Kollegen um über 100 Quadratmeter zu klein. Genauer heißt das: 82 Lehrer, sieben Referendare und fünf Praktikanten teilen sich eine Fläche von 140 Quadratmetern. Das macht eine Arbeitsfläche von 1,5 Quadratmeter für einen Lehrer.
Und Sie leisten sich so ein großes Büro?
Das ist mir zugewiesen worden. Aber deshalb kommen immer alle Lehrer so gerne zu mir.
Warum machen die Schüler ihre Hausaufgaben nicht zu Hause?
Weil wir ab der sechsten Klasse Nachmittagsunterricht haben und ungefähr 50 Prozent unserer Schüler Auswärtige sind. Die haben gar keine Chance, in den Unterrichtspausen nach Hause zu gehen.
Die Fragen stellte Georg Becker