Singen - Das Internet scheint immer häufiger auch als Suchmaschine für Reden aller Art gut zu sein. Sowohl Schulleiter Andreas Uhlig wie auch die Abiturientinnen Annette Maus und Thanit Areerasd hatten vor der Formulierung ihrer Reden die virtuelle Plattform bemüht, sich dann aber doch lieber für eigene, maßgeschneiderte Reden entschieden.
"13 Jahre im falschen Film" - so hatten die Abiturienten ihr Motto beim Abistreich genannt. Dieses Motto griff Uhlig in seiner Ansprache auf und zeigte mit dem Abschneiden eines Zentimetermaßbands auf, wie viel schöne Zeit noch übrig bleibt, wenn man diese Lebensphase und andere Abschnitte wie das Berufsleben in die Kategorie "Falscher Film" steckt. "Haben Sie sich in den 4765 Tagen nur geärgert, nichts Positives mitgenommen?", fragte Uhlig die Abiturienten. Das Motto sei aus seiner Sicht "ein trauriges Fazit", sagte Uhlig. Er wünschte den Schulabgängern vor allem Stehvermögen für die Zukunft. Noch rechtzeitig zur Abirede hatten die Schüler ihr Motto überdacht: "Wir waren doch im richtigen Film - es war sogar ein Oscar reifer Film", resümierten Annette Maus und Thanit Areerasd in ihrer Abirede. Deshalb verliehen sie zahlreiche Oscars an die Lehrer der verschiedenen Kurse.
Singens Oberbürgermeister Oliver Ehret munterte die Abiturienten auf: "Bewahren Sie sich Ihre Träume und die Bereitschaft, sich da draußen im Leben zu engagieren und Position zu beziehen, denn wer nicht selbst entscheidet, für den entscheiden andere." Die Liebe zur Schule wachse mit dem Quadrat der zeitlichen Entfernung zur Schule, ergänzte der OB.
Auch der Elternbeiratsvorsitzende Bernd Klein gab den Abiturienten einen sehr persönlichen Rat mit auf den Weg und setzte einem verkannten Lehrer nachträglich ein Denkmal. Klein zitierte verschiedenen Bedeutungen des vom Lateinischen abstammenden "abire" für Abitur auf. So bedeute Abitur nicht nur "weggehen", "irgendwie davon kommen" oder "sich verlieren", sondern auch "sich verwandeln". Verwandeln könne hier auch heißen, in der Schule Erlebtes aus anderen Perspektiven zu sehen.
Wie die Abiturienten vor 50 Jahren an der Schule unterrichtet wurden, darüber berichtete Hartmut Krukenberg (69), der sich mit 17 ehemaligen Abiturienten 50 Jahre nach dem Abitur in Singen getroffen hatte. Anfang April 1957 hatte der SÜDKURIER dazu geschrieben: "Schlussfeier wie aus einem Guss".
In einem Guss konnte Andreas Uhlig im Rahmen der Zeugnisübergabe 33 Schülern Preise für besonders gute Noten oder Engagement überreichen. Sieben Schüler haben gleichzeitig auch das Französische Baccalauréat bestanden. Für ihr großes soziales Engagement erhielt Annette Maus den Schwabenpreis. Außerdem erhielten einige Schüler eine Anerkennung der Schülermitverwaltung (SMV) von Schülersprecherin Malin Bigos.
Nach dem offiziellen Teil feierten die Abiturienten mit ihren Freunden und Familien in der Scheffelhalle ihren Abi-Ball. Für die Unterhaltung sorgten eine Band aus dem Musikkurs sowie Axel Neuhaus und Carolin Klanner von der Tanzsportabteilung des Stadtturnvereins Singen. In der Aula hatten die Schüler ebenfalls einige musikalische Darbietungen gezeigt.
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Bilder von Susanne Gehrmann-Röhm zur Abi-Feier finden Sie in
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