Fatale Wirkung
VON GEORG BECKERDas Tauziehen um den Ausbau des Hegau-Gymnasiums in Singen und ein neues Gymnasium für Engen gerät immer mehr zur Posse. OB Andreas Renner hat den schlimmsten Fall noch in das zweitschlimmste Szenario verwandeln können. Wenigstens drei umgebaute Klassenzimmer und zwei Fachräume soll das Hegau-Gymnasium bekommen. Aber sonst hat die praktizierte Schulpolitik im Hegau einen Scherbenhaufen hinterlassen. Die erste Vase hat der frühere Leiter des Hegau-Gymnasiums Hanns Rainer Butz durch Nichtstun zerdeppert. Weil erst sein Nachfolger Andreas Uhlig sich um Mittel aus dem "Investitionsprogramm Zukunft Bildung und Betreuung" (IZBB) für ein Ganztags-Gymnasium kümmerte, ging der Antrag im Wettrennen um die Zuschüsse zwar fristgerecht, aber doch zu spät im Regierungspräsidium ein. Das ist auch für andere Schulen dumm gelaufen. Immerhin hat das Friedrich-Wöhler-Gymnasium gut dabei ausgesehen, heute wird in der neuen Mensa Richtfest gefeiert. Eine weitere Vase ist bei dem berühmten Dezember-Gespräch mit der Abordnung von Engen, der Landtagsabgeordneten Veronika Netzhammer und Kultusministerin Annette Schavan kaputt gegangen. Dass die Engener ihr Interesse an einem eigenen Gymnasium vehement vertreten, ist nachvollziehbar. Veronika Netzhammer als Singener CDU-Fraktionsvorsitzende aber hat es versäumt, sich damals die mündlich geäußerte Zusicherung für den Ausbau des Hegau-Gymnasium schriftlich geben zu lassen. Die Wirkung war fatal. Nach der Zusage für das Engener Gymnasium hat das Kultusministerium den Ausbau des Hegau-Gymnasiums gekippt. Die Begründung aus dem Oberschulamt: Im Hegau gebe es nur einen Bedarf für insgesamt zehn Züge. Das Planspiel lautete, acht in Singen und zwei in Engen. Die Anmeldungen im März haben den Beamten mit den zehn Zügen für den Hegau Recht gegeben, doch in Engen wollen gerade nur 35 Kinder auf das neue Gymnasium. Damit ist die Rechnung des Engener Bürgermeisters Johannes Moser nicht aufgegangen, viele Eltern schicken ihre Kinder mit einer Gymnasiumsempfehlung nach wie vor lieber auf die Realschule. Jetzt stellt das Kultusministerium das Engener Gymnasium wieder in Frage. Am Ende stehen alle wie begossene Pudel da. Nur eine dürfte das Ränkespiel genießen, Annette Schavan hat die Oettinger-Freunde Renner und Netzhammer ganz schön vor sich hergetrieben. Auf dem Rücken des Hegaus.