Südkurier, 12.02.2005
"Ministerium hat sich verrechnet"
Alle sind einer Meinung bei der Diskussion "Gymnasien in Not" im Hegau-Gymnasium Die sechs Diskussionsteilnehmer auf dem Podium in der Aula des Hegau-Gymnasiums rechneten viel und kamen alle zu einem Ergebnis: Das Hegau braucht den Ausbau. Das Unverständnis über die Entscheidung aus dem Kultusministerium hält an. OB Renner und Landtagsabgeordnete Veronika Netzhammer versprachen, das "Missverständnis" auszuräumen. Rund 500 Zuhörer verfolgten die Diskussion.VON JACQUELINE WEISS
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links: Diskussion im internationalen Hegau-Gymnasium über Notwendigkeiten, an denen keiner zweifelt (von links): SPD-Stadträtin Claudia Weber, Hegau-Schulleiter Andreas Uhlig, OB Andreas Renner, Moderator und SÜDKURIER-Redakteur Georg Becker, CDU-Landtagsabgeordnete Veronika Netzhammer, Friwö-Schulleiter Dieter Forster und Franz Moser, Bürgermeister von Hilzingen. Bild: Sabine Tesche |
Singen - Pro und Contra gab es auf dem Podium des Hegau-Gymnasiums nicht, alle Beteiligten sprachen sich für den Ausbau aus. Rolf Wagner, Fördervereinsvorsitzender des Friwö, erklärte, Vertreter des Regierungspräsidiums oder des Kultusministeriums haben auf eine Einladung zur Diskussion geantwortet, dass das Verfahren um den Anbau noch laufe und die Zahlen geprüft werden und deshalb kein Vertreter kommen werde. Wagner erklärte, dass sich die beiden Gymnasien nicht auseinanderdividieren lassen, weil in beiden Räume fehlen. Schulleiter Andreas Uhlig schloss eine Präsentation unter dem Motto "Überleben in der Sardinenbüchse" an. Er sprach die fehlenden Klassenräume, die Aufenthaltsräume auf dem Gang und das Lehrerzimmer an. Dort bewegen sich derzeit 90 Lehrer auf 141 Quadratmetern.
Landtagsabgeordnete Veronika Netzhammer verteidigte ihren Einsatz für ein Gymnasium in Engen. Es sei eine bildungspolitische Entscheidung gewesen, um das Angebot im oberen Hegau zu verbessern. Es gebe aber keinen Zweifel darüber, dass das Hegau den Ausbau brauche. Ihrer Meinung nach gibt es nicht nur in Engen ein nicht ausgeschöpftes Potential an Grundschülern, die auf ein Gymnasium gehen könnten. Auf die Frage von SÜDKURIER-Redakteur und Moderator Georg Becker, ob die Zusage für das Singener Gymnasium protokolliert sei, antwortete sie: "Ich habe das Wort der Frau Minister." Da diese in den vergangenen Wochen krank war, habe es keine Möglichkeit gegeben, den Sachverhalt zu klären. Dies will sie am 23. Februar tun. Es sei ihr völlig unverständlich, wie die Absage zustande kam, zumal das Geld für das Engener Gymnasium und den Ausbau in Singen aus verschiedenen Töpfen komme. Sie vermutet einen Fehler in der Verwaltung des Kultusministeriums.
OB Andreas Renner erklärte, das Ministerium sei nicht auf der Höhe der Zeit, es gebe keinen Zweifel an den Zahlen. Er sieht die Entwicklung sehr gelassen, denn spätestens im April, nach dem Wechsel des Ministerpräsidenten, stünde diese Entscheidung unter anderen Vorzeichen. Wenn sie nicht rückgängig gemacht werde, dann "kommt der Tag, wo sie zum Waterloo des Kultusministeriums wird", sagte Renner.
SPD-Stadträtin Claudia Weber kann über den Brief aus dem Ministerium nur den Kopf schütteln. Die Stadt sei bereit, das Geld auszugeben, nun gelte es, die bestehenden Irrtümer auszuräumen. Dieter Forster, Schulleiter des Friwö, findet es grundsätzlich gut, dass Bildung zum Politikum wird. Er machte aber gleichzeitig deutlich, dass mit einem Anbau an das Hegau-Gymnasium die Raumnot nicht beseitigt sei. Er habe im Moment 46 Klassen, aber nur 42 Klassenzimmer. Er sprach sich dafür aus, dass die Politiker die Zwölfzügigkeit für Singen als Diskussionsgrundlage nehmen. Er sieht das Gymnasium in Engen als ein weiteres Bildungsangebot, nicht als Konkurrenz. Bis zum 17. März können die Eltern ihr Kind auf dem von ihnen gewünschten Gymnasium anmelden, dann würde sich auch zeigen, wie viele Schüler Engen zusammen bekommt. Bürgermeister Franz Moser aus Hilzingen brachte die Solidarität der Bürgermeister aus den sieben Umlandgemeinden mit in die Diskussion. Für die Bürgermeister sei der Ausbau eine Notwendigkeit, da über 50 Prozent der Schüler auf den beiden Gymnasien aus dem Umland kommen. Allein aus Hilzingen kommen 249 Schüler. Der Verkehrsfluss vieler Berufstätiger aus seiner Gemeinde gehe nach Singen.
