Offener Brief an Schavan

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Südkurier, 08.02.2005

Eltern sind empört

Offener Brief an Schavan

Singen (sk) Die beiden Vorsitzenden des Elternbeirates des Hegau-Gymnasiums, Ursula Klinkebiel-Henke und Bernd Klein, richten sich im Namen der Eltern mit einem offenen Brief an die Kultusministerin Annette Schavan, den wir im Wortlaut abdrucken:


Die Entscheidung des Kultusministeriums, den Ausbau des Hegaugymnasiums in Singen auf Grund eines Neubaus in Engen als hinfällig zu betrachten, hat bei den Eltern der Schüler am Hegaugymnasium helle Empörung ausgelöst. Die bisherige räumliche Situation ist den Anforderungen des neuen Lehrplanes, den das achtjährige Gymnasium nach sich zieht, keinesfalls gewachsen, denn es fehlen dazu sowohl die notwendigen und geeigneten Klassen-, Arbeits- und Fachräume, als auch eine Kantine. Deshalb sieht nicht nur die Stadt Singen als Schulträger, sondern auch das Oberschulamt die geplanten Um- und Ausbaumaßnahmen als zwingend erforderlich an.


Die Stadt Singen kam ihren Verpflichtungen durch die sorgfältige Planung des Ausbaus und die Bereitstellung der städtischen Mittel bereits nach, auch wenn ihr letzteres auf Grund der angespannten Haushaltslage sicherlich nicht leicht gefallen ist. Nun droht die für uns unverständliche und nicht nachvollziehbare Entscheidung des Kultusministeriums, unsere Pläne zunichte zu machen. Dadurch wird nicht nur der mehr als unbefriegende Status quo zementiert, sondern auch eine extreme Verschlechterung der Zustände in Zukunft eingeleitet.


Es stellt sich für uns die Frage, ob es in Singen womöglich Schüler zweiter Klasse gibt: Haben Schüler des Hegaugymnasiums nicht das Recht, in ausreichend vielen und angemessen großen Klassenzimmern unterrichtet zu werden? Es ist schon schlimm genug, wenn unsere Klassen mit 33 Schüler vollgestopft werden, aber müssen sie dann auch noch in zu enge Räume gepfercht werden? Wie soll eine Lehrperson noch vernünftig unterrichten, wenn die Bestuhlung erst unmittelbar vor der Tafel endet? Sollen unsere Kinder sich in Frei- und Hohlstunden weiterhin auf zugigen Gängen aufhalten? Haben sie kein Recht auf vernünftige Räume, um in diesen Zeiten Hausaufgaben oder Lerntätigkeiten zu erledigen? Soll ihnen die Möglichkeit, allgemein übliche Medien in dieser Zeit zu nutzen, versperrt bleiben? Sollen sie sich in der Mittagspause in Zukunft wie bisher in den Geschäften und Kebab-Buden Singens herumdrücken, weil es keine Cafeteria oder Mensa gibt, und sich auch den damit verbundenen Gefahren und Risiken aussetzen?


Dies ist insbesondere für die vielen Kinder aus dem Umland, die keine Möglichkeit haben, ihre Mittagspause zu Hause zu verbringen, eine Zumutung. Nachmittagsunterricht an mehreren Tagen pro Woche ist bereits jetzt obligatorisch! Eine Umsetzung fortschrittlicher Didaktik ist mit einer mangelhaften Infrastruktur nur unzureichend durchführbar. Wir Eltern wollen nicht akzeptieren, dass unsere Kinder, aus welchen Gründen auch immer, von seiten des Kultusministeriums so massiv benachteiligt werden. Wir haben durch die Einführung des G8 und die damit verbundene Erhöhung der Unterrichtsstunden pro Woche deutlich weniger Möglichkeiten, unsere Kinder während des Tages zu erziehen und zu begleiten. Die Gymnasien müssen jetzt die Verantwortung in größerem Umfang schultern. Entsprechende bauliche Voraussetzungen erleichtern diese Aufgabe sehr.


Wir bitten Sie dringend, Ihre Entscheidung unter Berücksichtigung Ihrer Verantwortung für die Qualität der Erziehung und Bildung der Kinder aus Singen und Umgebung noch einmal zu revidieren und die notwendigen Landesmittel zu bewilligen, die erforderlich sind, um einen vernünftigen Ganztagesbetrieb im Hegaugymnasium Singen zu ermöglichen.


Eine Podiumsdiskussion zum Thema "Singener Gymnasien in Not" findet am Donnerstag, 10. Febraur, um 19 Uhr in der Aula des Hegau-Gymnasiums in Singen statt.